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Nachlese: Speeding Up Innovation: Mehr Vielfalt am Hof - Betriebsentwicklung durch Diversifizierung

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21.04.2026 | von DI Elisabeth Gurdet, MSc

Am 9. Juni fand an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik die erste Veranstaltung des Jahres aus der Reihe Speeding Up Innovation statt. Sie widmete sich dem spannenden Thema der Diversifizierung und ihrer entscheidenden Rolle in der Betriebsentwicklung.

SAVE THE DATE Diversifizierung 20260609.png © LKÖ

Speeding Up Innovation

Speeding Up Innovation ist eine Veranstaltungsreihe und verfolgt das Ziel, Fachleute aus nationalen Forschungsinstitutionen und -projekten sowie aus den landwirtschaftlichen Bildungs‑ und Beratungseinrichtungen miteinander zu vernetzen. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung und Weiterentwicklung des Wissenstransfers zwischen Forschung und Praxis in ausgewählten Fachbereichen.

Zielsetzung und Inhalte der Veranstaltung

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Speeding up Innovation“ fand am 9. Juni 2026 die Tagung „Mehr Vielfalt am Hof – Betriebsentwicklung durch Diversifizierung“ statt. Rund 40 Personen aus Forschung, Beratung, Lehre, Praxis und Verwaltung nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Studien, Projekte und Praxisansätze zu informieren und zentrale Entwicklungen, Herausforderungen sowie Chancen der Diversifizierung in der Landwirtschaft zu erörtern.
 

Einführung

Den Auftakt bildete die Videobotschaft von Bundesminister Norbert Totschnig. Er hob hervor, dass die Diversifizierung zunehmend an Bedeutung gewinnt und den landwirtschaftlichen Betrieben neue Perspektiven eröffnet. So setzen etwa 30.000 Betriebe auf Direktvermarktung und erzielen daraus durchschnittlich ein Drittel ihres Einkommens. Rund 7.400 „Urlaub am Bauernhof“-Betriebe tragen mit etwa 23.000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen zur regionalen Wertschöpfung bei. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung von Wissen, Begleitung und praxistauglichen Konzepten für den Erfolg diversifizierender Betriebe und die Verbindung der Forschung mit Bildung und Beratung, nicht zuletzt auch durch diese Veranstaltung.
 

Key-Note Vortrag

Eva-Maria Brunlehner von der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft beleuchtete in der Keynote die Aspekte der Diversifizierung als strategischen Ansatz der Betriebsentwicklung in Bayern. Sie stellte das Gründerzentrum NEU.LAND. vor, welches Landwirtinnen und Landwirten beim Einstieg in neue Geschäftsfelder und bei innovativen Vorhaben unterstützt . Sie betonte, dass in Bayern insbesondere größere Betriebe mehrere Standbeine entwickeln und Diversifizierung nicht nur für kleinere Betriebe relevant ist. Neben wirtschaftlichen Motiven spielen auch Selbstverwirklichung und persönliche Interessen eine wichtige Rolle. Als Herausforderungen wurden unter anderem innerbetriebliche, insbesondere generationenbedingte Konflikte genannt. In Bayern setzen rund zwei Drittel der Betriebe auf Diversifizierung, vor allem im Bereich Energieerzeugung. Informationen finden Sie auf der Plattform NEU.LAND. Landwirtschaftliches Gründerzentrum.
 

Weitere Vorträge

Weitere Beiträge widmeten sich aktuellen Projekten und Forschungsergebnissen.
Die bisherigen Ergebnisse der Bildungsinitiative Diversifizierung wurden von Nicole Prop (HAUP) präsentiert. Im Mittelpunkt stand die Diversifizierung als strategische Entwicklungsoption für landwirtschaftliche Betriebe. Die Ergebnisse einer österreichweiten Befragung von 810 Betrieben zeigen, dass Diversifizierung einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Betriebe leisten kann. Rund ein Drittel der befragten Betriebe plant die Umsetzung neuer Ideen, um zusätzliche Einkommensquellen zu erschließen. Als wichtige Themen wurden neben Betriebswirtschaft und Marketing insbesondere die Vernetzung relevanter Akteuren, Wissen über neue Betriebszweige sowie Methoden zur Ideenfindung und Motivation genannt. Die Bedarfsanalyse zeigt Entwicklungspotenziale in den Bereichen Markt- und Kundenorientierung, Umsetzungskompetenz für Diversifizierungsvorhaben sowie bei der Abstimmung von Rahmenbedingungen, Beratung und Förderangeboten. Weitere Informationen und Berichte finden Sie unter: Bildungsinitiative Diversifizierung – (neue) Wertschöpfungsstrategien für die kleinstrukturierte multifunktionale Landwirtschaft in Österreich. - Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik

Im Bereich Direktvermarktung wurden aktuelle Trends und Entwicklungen von Johannes Mayr (KeyQuest Marktforschung) präsentiert: Rund 48 % der Betriebe in Österreich diversifizieren, wobei die Direktvermarktung mit 58 % die wichtigste Form darstellt und weiter an Bedeutung gewinnt. Diversifizierung stabilisiert Betriebe und kann den Strukturwandel bremsen. Diversifizierung stabilisiert landwirtschaftliche Betriebe und kann den Strukturwandel bremsen. Ein Vergleich der Preisentwicklungen von Zimmerpreisen bei „Urlaub am Bauernhof“ und den Erzeugerpreisen für Milch und Schweine im Zeitraum 2001–2022 zeigt, dass die Preis-Kosten-Schere zugunsten der Diversifizierung wirkt und diese somit eine geeignete Strategie zur Steigerung der Wertschöpfung am Bauernhof darstellt.
Auffallend ist, dass jüngere Betriebsführende mit hohem Bildungsniveau häufiger diversifizieren.
 
Das Projekt ReLaDi (präsentiert von Bich Diem Thy Nguyen und Patrick Landendinger, KMU Forschung Austria) beleuchtete zusätzlich die Rolle von Resilienz, Struktur und Digitalisierung im Direktvertrieb und leitete praxisnahe Handlungsempfehlungen ab, etwa zur Nutzung digitaler Technologien oder zur Einführung moderner Zahlungsformen. Die qualitative Best-Practice-Analyse zeigte, dass der Erfolg von Betrieben etwa durch gezielte Beziehungsarbeit und eine klare Angebotsstrategie geprägt wird, während auf Konsument:innenseite insbesondere Produktqualität und eine gute Erreichbarkeit eine zentrale Rolle spielen. Weitere Informationen und den Abschlussbericht finden Sie unter: ReLaDi: Resilienz, Struktur und Digitalisierung des landwirtschaftlichen Direktvertriebs - BMLUK DaFNE

Mit der Initiative „mein Hof – mein Weg“ steht Betrieben in Österreich eine Plattform für Austausch und Inspiration zur Verfügung. Zusätzlich gibt es in allen Bundesländern Österreichs eine Innovationsberatung zur Unterstützung von Betrieben, die in neue Formen der Diversifizierung einsteigen wollen. Praxisbeispiele erfolgreicher Betriebe wurden von Julia Eberharter/LKÖ präsentiert und rundeten das Programm ab.
Weitere Infos auf mein Hof - mein Weg.

Das Publikum zeigte großes Interesse durch zahlreicher Fragen, die im Anschluss an die Vorträge diskutiert wurden und zu einem lebendigen Austausch führten.
 

Workshops

In den Workshops wurden die Vortragsinhalte teils vertieft, aber auch neue Methoden für Veränderungsprozesse und Ideenentwicklung sowie neue Projekte und Strategien zur Diversifizierung vorgestellt. Die Workshops ermöglichten einen intensiven Austausch und rege Diskussionen unter den Teilnehmenden.
 

Workshop 1: Der Weg von der Idee zur Umsetzung: Akteur:innen in Veränderungsprozessen mit gezielten Methoden begleiten

Zu Beginn des Workshops gab Manuel Böhm (bioweg und Humusbewegung) Einblicke in das EIP-Projekt „Exotisches Österreich“, das sich aktuell in der zweiten Phase befindet. Ziel des Projekts ist es, durch den Anbau von Zukunftspflanzen die Diversifizierung landwirtschaftlicher Betriebe zu fördern, die Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen und neue Absatzmärkte zu erschließen. Im Fokus stehen exotische Gewürz-, Kräuter- und Teepflanzen, wodurch auch die Importabhängigkeit reduziert werden soll. Nach einer ersten Ernte im vergangenen Jahr wird heuer die erste Vollernte erwartet. Getestet werden u. a. Tulsikraut, Grüntee, Szechuan- und Tasmanischer Pfeffer sowie Artischocke hinsichtlich ihrer Standortansprüche und Anbausysteme, während bei Rotbusch und Honigbusch zunächst die grundsätzliche Anbaueignung geprüft wird. Aufbauend darauf sind Wirtschaftlichkeitsanalysen sowie Fragen der Ernte- und Verarbeitungstechnik zentral. Anschließend stellte Julia Eberharter (LK Österreich) das Horizon-Europe-Projekt „ATTRACTISS“ vor, das einen Methodenkoffer für interaktive Innovations- und Betriebsentwicklungsprozesse bietet. Die Teilnehmenden lernten praxisnah Methoden wie Innovationsspirale, Netzwerkanalyse, den Kreis der Bedeutung oder Storytelling anhand von Beispielen aus dem Projekt Exotisches Österreich kennen.
 

Workshop 2: Diversifizierung – zwischen Leidenschaft und Wirtschaftlichkeit: „Diversifizierung sichtbar machen“

Im Workshop „Diversifizierung sichtbar machen“ wurde deutlich, dass Diversifizierung ein wichtiger Bestandteil einer zukunftsfähigen Landwirtschaft ist. Dabei wurde klargestellt, dass Diversifizierung nicht als „Verlassen der Landwirtschaft“ zu verstehen ist, sondern als Integration, Vernetzung und Erweiterung innerhalb landwirtschaftlicher Wertschöpfungssysteme. Die im Förderkontext verwendeten Begriffe „außerhalb der Landwirtschaft“ oder „nicht-landwirtschaftliche Tätigkeiten“ dienen lediglich der formalen Abgrenzung von Förderkategorien und beschreiben nicht die inhaltliche Ausrichtung.
Zentrale Erkenntnis des Workshops war, dass die vielfältigen Dienstleistungen, Angebote und Entwicklungsmöglichkeiten landwirtschaftlicher Betriebe stärker sichtbar gemacht werden sollen. Im Mittelpunkt steht die Kommunikation bestehender Angebote, Initiativen und Leistungen sowie die stärkere Sichtbarmachung der multifunktionalen Rolle der Landwirtschaft. Zahlreiche innovative und zukunftsfähige Ansätze sind bereits vorhanden, werden jedoch häufig nicht ausreichend wahrgenommen.
Als wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Betriebszweige wurden Bildungs-, Beratungs- und Vernetzungsangebote genannt. Ebenso wurden Kooperationen und fachübergreifende Zusammenarbeit als wesentliche Erfolgsfaktoren hervorgehoben. Die Diskussion zeigte zudem, dass Diversifizierung wirtschaftliche, gesellschaftliche und persönliche Dimensionen umfasst. Praxisbeispiele wurden als besonders wirksam angesehen, um Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar zu machen, Akzeptanz zu fördern und Betrieben neue Perspektiven aufzuzeigen.
 

Workshop 3: Agriphotovoltaik und Hochstamm-Produktions-Systeme als Beispiele innovativer Diversifizierungsstrategien

Maria König und Bernhard Loder von der Universität für Bodenkultur/Institut Landtechnk stellen das  zukunftsweisende Konzept der Agri-Photovoltaik (APV) vor, das die doppelte Nutzung von Flächen für Landwirtschaft und Energiegewinnung ermöglicht. Der Vortrag beleuchtete, wie sich das untersuchte Anlagensystem auf den Anbau von Kulturen wie Weizen und Hirse in Abhängigkeit von unterschiedlichen Abständen der Paneele zueinander auswirkt und welche Effekte auf Mikroklima und Ertrag zu beobachten sind. Dabei wurden auch die Bewirtschaftung der Anbaustreifen sowie deren Auswirkungen auf landwirtschaftliche Kulturen untersucht, ebenso praktische Herausforderungen und wirtschaftliche Aspekte für landwirtschaftliche Betriebe. Besonders profitieren können Landwirt:innen durch Beteiligung an den Anlagen und Nutzung von Eigenstrom.

Alois Wilfling, OIKOS - Institut für angewandte Ökologie & Grundlagen forschung präsentierte Ergebnisse aus dem EIP-AGRI Projekt SUPERHOCHSTAMM, in dem ein neues, innovatives und modernes Hochstamm-Produktions-System HPS entwickelt, getestet und etabliert wird.
Die Fläche klassischer Streuobstwiesen ist infolge schwieriger Bewirtschaftung sowie mangelnder obstbaulicher und technischer Innovation teils um über 90 % zurückgegangen. Viele der verbliebenen „kränkelnden“ Flächen sind hochgradig überaltert. Moderne (Super-) Hochstamm-Produktions-systeme (HPS) sind ein Nachfolgemodell zu diesen Streuobstwiesen. Bislang wurden bereits mehr als 400 HPS-Flächen in Österreich etabliert. Alois Wilfling erläuterte, wie durch geeignete Sämlingsunterlagen & Direktsaat, durch Bepflanzungspläne, Kulturführung und maschinelle Bewirtschaftung sowie Ernte ein HPS entwickelt wird, das nicht nur ökologischen sondern auch wirtschaftlichen Anforderungen entspricht – und damit eine gute Strategie zur Diversifizierung und für zusätzliches Einkommen am landwirtschafltichen Betrieb darstellt. Weitere Infos finden Sie unter: Projekt – SUPERHOCHSTAMM und OG: SUPERHOCHSTAMM - Netzwerk Zukunftsraum Land

Veranstalter

Die Speeding Up Innovation-Veranstaltungen werden von der Landwirtschaftskammer Österreich gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft im Rahmen des Fortbildungsplans der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik umgesetzt.

Downloads zum Thema

  • Programm Speeding Up Innovation Diversifizierung 20260609 PDF 0,99 MBProgramm Speeding Up Innovation: Diversifizierung
  • Vortrag 1: Diversifizierung als betriebliche Entwicklungsstrategie - Eva Maria Brunlehner, LfL Bayern PDF 10,60 MBVortrag1: Diversifizierung als betriebliche Entwicklungsstrategie, Eva-Maria Brunlehner, LfL - NEU.LAND.
  • Vortrag 2: Bildungsinitiative Diversifizierung - Nicole Prop, HAUP PDF 0,96 MBBildungsinitiative Diversifizierung - Nicole Prop, HAUP
  • Vortrag 3: Direktvermarktung 2026 - Johannes Mayr, KeyQUEST Marketing PDF 5,92 MBDirektvermarktung 2026 Johannes Mayr, KeyQuest Marketing
  • Vortrag 4: ReLaDi - Patrick Landendinger und Bich Diem Thy Ngyuen, KMU Austria PDF 603,14 kBReLaDi - Patrick Landendinger und Bich Diem Thy Ngyuen KMU Austria
  • Vortrag 5: mein Hof - mein Weg - Julia Eberharter, LKÖ PDF 4,34 MBmein Hof - mein Weg - Julia Eberharter, LKÖ
  • WS 3: AgirPV verstehen - Maria König und Bernhard Loder, BOKU PDF 13,94 MBAgriPV verstehen - Maria König und Bernhard Loder, BOKU
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