Könnte so der Schweinestall der Zukunft aussehen?
Wie wirken sich mehr Platz und Funktionsbereiche auf das Tierwohl aus? Mit welchen Zusatzkosten müssen Betriebe rechnen? Kann Schwanzbeißen reduziert werden? Mit diesen und vielen weiteren Fragen hat sich das Projekt IBeSt (Innovationen für bestehende Aufzucht- und Mastställe für Schweine in Österreich - zum Wohl von Tier und Mensch) vier Jahre lang beschäftigt.
Untersucht wurden Umbaulösungen für bestehende Ställe in der konventionellen Ferkelaufzucht und Schweinemast. Der Fokus lag auf Verbesserungen des Tierwohls unter Berücksichtigung von Ökonomie, Arbeitswirtschaft und Umweltwirkung (Emissionen, u. a. NEC-Richtlinie). Neben den Innovationen für die Tiere stand auch der Landwirt bzw. die Landwirtin als Mensch, als Tierhalter und als Mitglied der Gesellschaft im Mittelpunkt.
Untersucht wurden Umbaulösungen für bestehende Ställe in der konventionellen Ferkelaufzucht und Schweinemast. Der Fokus lag auf Verbesserungen des Tierwohls unter Berücksichtigung von Ökonomie, Arbeitswirtschaft und Umweltwirkung (Emissionen, u. a. NEC-Richtlinie). Neben den Innovationen für die Tiere stand auch der Landwirt bzw. die Landwirtin als Mensch, als Tierhalter und als Mitglied der Gesellschaft im Mittelpunkt.
Mehr Platz und Funktionsbereiche
Im Projekt beteiligt waren 15 Praxisbetriebe (sieben Ferkelaufzucht- und acht Mastbetriebe) sowie der Forschungsstall für Mastschweine der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, in denen individuelle Maßnahmenpakete umgesetzt wurden, die
Folgendes beinhalteten (siehe Kasten). In jedem Betrieb wurden dabei ein bis zwei Buchten bzw. ein Abteil umgebaut und ein Vergleich zur Kontrolle (nicht umgebaute Buchten bzw. Abteile) angestellt. Nachfolgend werden einige zentrale Erkenntnisse
aus dem umfangreichen Abschlussbericht des Projekts mit allen Ergebnissen der Arbeitspakete erläutert.
FUNKTIONSBEREICHE
- Mehr Platz je Tier (ca. 0,4 m2 in der Ferkelaufzucht, ca. 0,8 m2 in der Mast bzw. +0,1 m2 im Vergleich zur bestehenden Situation am Betrieb)
- Größere Buchten (ca. 10 m2 Aufzucht, ca. 20 m2 Mast)
- Einrichtung von Funktionsbereichen: Ausgestaltung eines Liegebereichs auf zumindest 1/3 der Buchtenfläche, z. B. durch reduzierten Perforationsanteil, Gummimatten etc.
- Kühlmöglichkeit (Mast) bzw. Temperaturzonenbildung (Ferkelaufzucht)
- Zusätzliches adäquates Beschäftigungsmaterial
Auswirkungen aufs Tierwohl
Das Maßnahmenpaket hatte hinsichtlich Tierwohl meist geringe, aber wesentliche positive Effekte, kaum negative bzw. hinsichtlich einiger Indikatoren (betriebsindividuell, vor allem Aufzucht) keine Auswirkungen. Besonders hervorzuheben ist, dass seltener Tiere beim Schwanzbeißen beobachtet wurden. Die reduzierte Prävalenz an Schwanzverletzungen in der Mast weist auf positive Effekte des Maßnahmenpakets hin. Hinsichtlich Geruch, Ammoniak (NEC-Richtlinie) und
Feinstaub lagen keine genehmigungsrechtlich relevanten Unterschiede zwischen den IBeSt-Abteilen und dem Kontrollabteil (nach bisherigem Mindeststandard) vor.
Höhere Kosten
Die Adaption der Haltungssysteme und deren Management sind mit höheren Kosten
verbunden: Die Mehrkosten und die Änderung des Einkommensbeitrags variieren beträchtlich zwischen den Betrieben.
Bei der Interpretation der Mehrkosten gilt es zu berücksichtigen, dass die Betriebe zum Teil mehr als 0,8 m² (Mast) bzw. 0,4 m² (Aufzucht) in den IBeSt-Buchten angeboten haben, was die Mehrkosten (vor allem in der Aufzucht) zusätzlich erhöhte. Es zeigte sich auch, dass die Berücksichtigung des “Faktors Mensch“ aufgrund des positiven Feedbacks von Projektteilnehmern auch für weitere Forschungsprojekte empfohlen wird.
Um einen Weg der Veränderung erfolgreich beschreiten zu können, ist es von Bedeutung, die Landwirte als Menschen entsprechend zu begleiten und ihre Stimmen zu hören.
verbunden: Die Mehrkosten und die Änderung des Einkommensbeitrags variieren beträchtlich zwischen den Betrieben.
- In der Mast resultierten je nach Betrieb Mehrkosten von 1,5 bis knapp 62 Euro pro Mastplatz. Im Durchschnitt errechnen sich 32 Euro/Mastplatz und etwa 10 Euro/Mastschwein. Sie setzten sich zu 34% aus den Umbaukosten, 28% aus geringeren Deckungsbeiträgen, 24% als Folge der Minderbelegung (im Schnitt wurde das Platzangebot um 7% erweitert) und 14% für die Mehrarbeit zusammen.
- Für die Aufzucht errechnen sich im Durchschnitt 71 Euro/Aufzuchtplatz bzw. 15 Euro/Ferkel. Der überwiegende Anteil der Mehrkosten resultiert aus der Minderbelegung - im Schnitt wurde das Platzangebot in den IBeSt-Buchten um 24% gegenüber der Kontrolle erhöht.
Bei der Interpretation der Mehrkosten gilt es zu berücksichtigen, dass die Betriebe zum Teil mehr als 0,8 m² (Mast) bzw. 0,4 m² (Aufzucht) in den IBeSt-Buchten angeboten haben, was die Mehrkosten (vor allem in der Aufzucht) zusätzlich erhöhte. Es zeigte sich auch, dass die Berücksichtigung des “Faktors Mensch“ aufgrund des positiven Feedbacks von Projektteilnehmern auch für weitere Forschungsprojekte empfohlen wird.
Um einen Weg der Veränderung erfolgreich beschreiten zu können, ist es von Bedeutung, die Landwirte als Menschen entsprechend zu begleiten und ihre Stimmen zu hören.
Alle Ergebnisse im Erfahrungskatalog
Die im Forschungsstall generierten Erfahrungen fließen gemeinsam mit jenen aus den Praxisbetrieben in einen Erfahrungskatalog ein und werden über die IBeSt-Homepage als Informations- und Beratungstool zur Verfügung gestellt. Bei all den wichtigen Erkenntnissen ist auch klar: Es wird nicht mehr das “One-Size-Fits-All-System“ in der Schweinehaltung geben. Denn durch den über das Projekt erfolgten Anstoß und auch durch den gesetzlich implementierten neuen Mindeststandard werden auf den Betrieben viele neue Innovationen entstehen - die Schweinehaltung in Österreich wird deutlich vielfältiger werden.
Mehr Informationen zum Projekt und Download des Abschlussberichtes unter: short.boku.ac.at/
Mehr Informationen zum Projekt und Download des Abschlussberichtes unter: short.boku.ac.at/
Projekt IBeSt
Das “unstrukturierte Vollspaltensystem“ in der Schweinehaltung ist in öffentliche Kritik geraten, im Juli 2022 wurde die erste Tierhaltungsverordnung novelliert. Bereits Ende 2019 suchten Vertreter der “Jungen Veredler“ den Kontakt zur Wissenschaft, um ein Projekt zu initiieren, in dem in Kooperation zwischen Wissenschaft, Praxis, Beratung und Stallbaubranche bestehende Haltungssysteme in der Schweinehaltung weiterentwickelt werden. Das Projekt IBeSt (Innovationen für bestehende Aufzucht- und Mastställe für Schweine in Österreich - zum Wohl von Tier und Mensch, 2021 bis 2025) wurde vom BMLUK und den Bundesländern finanziert. Sechs Arbeitspakete
(Tierwohl, Mensch, Ökonomie, Praxis, Stallklima/Umwelt, Kommunikation) wurden eingerichtet und von zahlreichen Institutionen bearbeitet: HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Boku, Schweinehaltung Österreich, HAUP, AGES, Universität
Rostock, Messerli-Institut Wien, LSB & Trainer.