Bundesbäuerinnentag 2026 thematisiert zentrale Brennpunkte und Anliegen
Link wurde in die Zwischenablage kopiert
“Internationales Jahr der Bäuerin“ mit Positionspapier und gemeinsamer Initiative.
Der Bundesbäuerinnentag 2026, der heute unter dem Motto “regional verwurzelt, international vernetzt“ über 800 - vorwiegend weibliche - Festgäste ins Vorarlberger Feldkirch führt, steht ganz im Zeichen des von den UN ausgerufenen “Internationalen Jahrs der Bäuerin“. Dieses soll nicht nur die unverzichtbare Leistungsvielfalt dieser Frauen sichtbarer machen, sondern auch ihren Anliegen Gehör verschaffen und zur Umsetzung verhelfen. Doch welche Weichenstellungen braucht es im Sinne der Bäuerinnen und damit auch Zukunft von Landwirtschaft und Versorgungssicherheit? Die zentralen Erfordernisse sind nun in einem Positionspapier zusammengefasst, an zentrale Stakeholder:innen übergeben und heute bei einem hochrangigen Pressegespräch vorgestellt worden. Außerdem wurde eine neue Initiative zur Bewusstseinsbildung vorgestellt.
Positionspapier an COPA, FAO und Minister übermittelt
“Österreichs Bäuerinnen sind sehr gut ausgebildet, bestens vernetzt und in höchstem Maße engagiert. Gleichzeitig stellen steigende Kosten, zunehmende Gesellschaftswünsche, strukturelle Abhängigkeiten und multiple Rollenanforderungen sie vor massive Herausforderungen. Auch ist es bis zur tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter in unserer Gesellschaft noch ein weiter Weg“, betont Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger. “Deswegen haben wir ‘Was die Bäuerin/Frau in der Land- und Forstwirtschaft 2030 braucht‘ in einer gleichnamigen Umfrage erhoben und die Erkenntnisse in einem Positionspapier zusammengefasst. Dieses haben und werden wir nun an zentrale Personen und Organisationen, wie den EU-Bauernverband (COPA), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, übergeben“, so die Bundesbäuerin.
Entlohnung, Kinderbetreuung, Investitionsförderung und flexible Bildung im Fokus
“Zentrale Anliegen sind wirtschaftliche Stabilität, soziale Absicherung, faire Teilhabe und mehr Raum für Gestaltung. Kostendeckende Erzeugerpreise und eine faire Entlohnung gesellschaftlicher Leistungen wären wichtig, damit Bäuerinnen nicht länger durch zusätzliche Erwerbsarbeit mehrfach belastet werden“, unterstreicht Neumann-Hartberger, die sich auch für eine qualitätsvolle, leistbare und flexible Kinderbetreuung im ländlichen Raum, entsprechende Gesundheitsvorsorgeangebote und Investitionsförderungen ausspricht. “Zusätzlich brauchen wir zielgruppengerechte und flexible Bildungs- und Beratungsangebote - von Recht und Steuern über Unternehmertum und Digitalisierung bis hin zu mentaler Gesundheit und Generationenmanagement -, um unsere Bäuerinnen zu stärken. Ein besonderer Fokus soll auf junge Frauen, Quereinsteigerinnen und Nebenerwerbsbäuerinnen gelegt werden“, betont die Bundesbäuerin.
FAO: Gleichstellung für Bewältigung globaler Herausforderungen wichtig
Im Rahmen des Internationalen Jahres der Bäuerin hebt Raschad Al‑Khafaji, Direktor des Verbindungsbüros mit der EU und Belgien der FAO, die besondere Bedeutung von Frauen im Agrarsektor hervor: “Bäuerinnen sind unverzichtbar für Ernährungssicherheit, Resilienz und nachhaltige Entwicklung. Wenn Frauen gleichberechtigten Zugang zu Land, Ressourcen und Entscheidungen haben, entfalten Agrar- und Ernährungssysteme ihr volles Potenzial. Wir brauchen gleichberechtigte Bäuerinnen heute und in kommenden Generationen.“ Al‑Khafaji hebt damit die Stärkung und Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft als bedeutsam hervor, um aktuelle und künftige globale Herausforderungen zu bewältigen.
Totschnig: Auftakt für mehr Sichtbarkeit
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig: “Bäuerinnen sind eine fundamentale Kraft in der Landwirtschaft. Mit ihrem unermüdlichen Engagement gestalten sie eine nachhaltige und zukunftsorientierte Land- und Forstwirtschaft. Diese Leistung verdient klare politische Perspektiven. Deshalb ist eine starke und verlässliche Gemeinsame Agrarpolitik über 2027 hinaus von zentraler Bedeutung. Unser Ziel ist klar: stabile Rahmenbedingungen, eine gesicherte Finanzierung und vor allem eine praxistaugliche Umsetzung für unsere bäuerlichen Familienbetriebe. Gleichzeitig braucht es mehr Sichtbarkeit, denn Anerkennung beginnt dort, wo Leistungen wahrgenommen werden. Mit dem ganzjährigen Schwerpunkt setzen wir gemeinsam mit der Bäuerinnenorganisation ein kraftvolles Zeichen.“
Mit dem heutigen Start der Initiative “Bäuerinnen im Fokus - Hof und Land in Frauenhand“ rückt das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gemeinsam mit den Bäuerinnen Österreich und der LK Österreich Frauen in der Land- und Forstwirtschaft ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Dabei wird die Vielfalt, Innovationskraft und zentrale Rolle von (Wald-)Bäuerinnen sichtbar gemacht. Bäuerinnen öffnen ihre Hoftüren und geben Einblicke in Alltag, Motivation und Herausforderungen. Die Initiative wird vor allem über eine zentrale Landingpage und Social Media umgesetzt. Im Fokus stehen dabei auch vertiefende Informationen, aktuelle Zahlen und Fakten, Veranstaltungshinweise und Unterstützungsangebote.
Moosbrugger: Stehe voll hinter Forderungen unserer Bäuerinnen
“Es kann nicht sein, dass unsere Bäuerinnen viele unverzichtbare Leistungen, für welche die Gesellschaft nicht aufkommen will oder kann, zum Nulltarif erbringen müssen. Es braucht hier dringend mehr Wertschätzung, Wertschöpfung und Entlastung – auch in Form besserer Rahmenbedingungen. Deswegen spreche ich den Bäuerinnen nicht nur meinen größten Respekt aus, sondern stehe auch voller Überzeugung hinter dem heute präsentierten Positionspapier und setze mich in all meinen Funktionen für die darin genannten Anliegen ein“, betont LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger und weiter: “Gleichzeitig haben wir als Landwirtschaftskammer bereits viele Anregungen der Bäuerinnen in die Tat umgesetzt – von einer besseren sozialen und rechtlichen Absicherung bis zu mehr flexiblen Online-Bildungs- und Beratungsangeboten. Darauf gilt es künftig aufzubauen.“
Agrarpädagogik für mehr Wertschätzung unverzichtbarer Leistungen
Wichtig ist auch die Rolle der Bäuerinnen als “Stimme der Landwirtschaft“ gegenüber der Gesamtgesellschaft, wie die Vorarlberger Landesbäuerin Esther Bitschnau aufzeigt: “Bäuerinnen leisten als kompetente Botschafterinnen auch zur gesellschaftlichen Bildung einen unverzichtbaren Beitrag. Ein besonders erfolgreiches Beispiel dafür ist ‚Schule am Bauernhof‘, wo die bäuerliche Lebenswelt mit allen Sinnen begreifbar gemacht wird. Als ‚Schule am Bauernhof‘-Anbieterin erlebe ich es als sehr wichtig, Kindern und Jugendlichen unsere Arbeit sichtbar zu machen. Gerade im ‚Internationalen Jahr der Bäuerin‘ muss Sichtbarkeit im Fokus stehen, um Wertschätzung für uns Bäuerinnen und unsere Arbeit zu erreichen“, plädiert sie dafür, dass jedes Kind in Österreich während seiner Schulzeit zumindest einmal an so einem Angebot teilnimmt.
“Internationales Jahr der Bäuerin“: Bundesbäuerin für entschlossenes Handeln
“Das ‘Internationale Jahr der Bäuerin‘ 2026 ist eine Chance, die Rolle von Bäuerinnen als Unternehmerinnen, Innovatorinnen und Gestalterinnen noch sichtbarer zu machen und ihnen einen gleichberechtigten Zugang zu Land, Finanzierung, Wissen, Technologie und Beratung zu ermöglichen“, fasst Neumann-Hartberger zusammen und weiter: “Wir verstehen unsere Anliegen als Beitrag zum globalen Ziel ‘Leave no female farmer behind‘ und als Appell an Politik, Interessenvertretung und Gesellschaft, Gleichstellung als Systemvoraussetzung für eine geschlechtergerechte, klima- und sozialverträgliche Landwirtschaft zu begreifen und jetzt entschlossen zu handeln.“