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Österreichischer Weinbauverband stellt Weichen für die Zukunft

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20.08.2026 | von Österreichischer Weinbauverband

Stefan Kast zum neuen Geschäftsführer bestellt - Weinernte, Weingesetz, Erzeugervereinigungen, Rebzikade und Wertschöpfung im Fokus.

Schmuckenschlager Kast Glatt © Österreichischer Weinbauverband/Wolff
Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager (l.), der bisherige Weinbaudirektor und Geschäftsführer des Weinbauverbandes (r.) mit seinem künftigen Nachfolger Stefan Kast (Mitte). © Österreichischer Weinbauverband/Wolff
Der Vorstand des Österreichischen Weinbauverbands hat bei seiner Sitzung im Martinsschlössl in Donnerskirchen gestern Nachmittag wichtige personelle und inhaltliche Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Neben der Neubestellung der Geschäftsführung standen insbesondere die bevorstehende Weinernte, das neue Weingesetz, die Umsetzung der Erzeugervereinigungen sowie die zunehmende Bedrohung durch die Goldgelbe Vergilbung der Rebe und die Amerikanische Rebzikade im Mittelpunkt. Aber auch die wirtschaftliche Situation und Wertschöpfung des österreichischen Weinbaus waren zentrale Schwerpunkte. 

Der Vorstand des Österreichischen Weinbauverbands hat Stefan Kast zum Geschäftsführer bestellt. "Mit dieser frühzeitigen und geordneten Übergabe stellen wir die Kontinuität in der Interessenvertretung sicher und schaffen gleichzeitig die Grundlage für eine gute Weiterentwicklung des Österreichischen Weinbauverbands. Josef Glatt bleibt bis zu seinem Pensionsantritt Ende Oktober als Direktor und Geschäftsführer voll verantwortlich und wird gemeinsam mit Stefan Kast die Geschäfte führen. Mit 1. November übernimmt Kast die alleinige Geschäftsführung und die Funktion des Weinbaudirektors", betont Johannes Schmuckenschlager, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes.

Kleine Weinernte erwartet

Die beispiellose Trockenheit des heurigen Jahres hat auch den Weinbau massiv getroffen. Aus derzeitiger Sicht ist eine sehr kleine Weinernte zu erwarten, wobei seriöse Mengenschätzungen derzeit noch nicht möglich sind. Punktuell gab es in den Weinbaugebieten geringe Niederschläge, aber insgesamt muss derzeit von einem historischen Niederschlagsdefizit gesprochen werden. Die Beeren sind überwiegend sehr klein. Besonders bei Junganlagen sind Notreife und teilweise welke Beeren zu beobachten.

Laut dem Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg hätten ausreichende Regenmengen auch jetzt noch sehr positive Auswirkungen. Die Zucker- und Säurewerte würden sich dadurch stabilisieren und die Beeren würden saftiger werden. Auch die Reben würden eine Linderung der Stresssymptome spüren und die Holzreife der Rebstöcke für das Folgejahr könnte sich besser entwickeln. 

Neues Weingesetz: Herkunft und Wettbewerbsfähigkeit müssen im Mittelpunkt stehen

Breiten Raum nahm in der Vorstandssitzung die Diskussion über das neue österreichische Weingesetz ein. Der Österreichische Weinbauverband bekennt sich zu einer Modernisierung und Anpassung an die unionsrechtlichen Vorgaben. Entscheidend sei jedoch, dass das neue Gesetz die Herkunft und Qualität österreichischer Weine absichert, die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe stärkt und zusätzliche Bürokratie vermeidet.

Besondere Bedeutung misst der Verband der Weiterentwicklung des österreichischen Herkunftssystems und der künftigen Rolle der Erzeugervereinigungen bei. Diese sollen als demokratisch legitimierte Träger der Herkunfts- und Qualitätsdefinition eine starke Position erhalten. Gleichzeitig müssen bestehende Strukturen in Form der Weinbauvereine sinnvoll eingebunden, praxistaugliche Übergangsfristen geschaffen und die Finanzierung der neuen Aufgaben sichergestellt werden.

„Österreich hat sich international mit Qualität, klarer Herkunft und regionalen Profilen einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Ein neues Weingesetz muss auf diesen Stärken aufbauen. Wir brauchen keine zusätzlichen bürokratischen Hürden, sondern einen modernen und praxistauglichen Rechtsrahmen, der den Regionen Gestaltungsmöglichkeiten gibt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe absichert“, so Schmuckenschlager.

Der Vorstand befasste sich daher bei der Sitzung auch intensiv mit dem aktuellen Stand der Umsetzung der Erzeugervereinigungen. Für den Weinbauverband ist wesentlich, dass die neuen Strukturen nicht zum Selbstzweck werden, sondern einen konkreten Mehrwert für Herkunftsschutz, Qualitätsentwicklung und die wirtschaftliche Positionierung der Weinregionen schaffen.

Goldgelbe Vergilbung und Rebzikade: Österreichweit koordiniertes Vorgehen notwendig

Große Sorge bereitet dem Vorstand die weitere Entwicklung der Goldgelben Vergilbung der Rebe (Flavescence dorée) und der sie übertragenden Amerikanischen Rebzikade. Die Goldgelbe Vergilbung ist eine meldepflichtige Quarantänekrankheit und stellt für den österreichischen Weinbau eine ernstzunehmende pflanzengesundheitliche Bedrohung dar.

Der Österreichische Weinbauverband fordert deshalb ein österreichweit abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern, Behörden, Wissenschaft, Beratung und Weinwirtschaft. Ziele müssen ein einheitliches Lagebild sowie eine koordinierte Vorgangsweise bei Monitoring, Probenahme, Vektorbekämpfung, Rodungen, Pflanzmaterial und Finanzierung sein.

Der Verband spricht sich für die Einrichtung eines nationalen Krisenstabes zur Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung und der Amerikanischen Rebzikade aus. Die behördliche Gesamtverantwortung soll beim Bund liegen, während BAES und AGES die fachliche Steuerung übernehmen. Der Österreichische Weinbauverband soll als zentrale Schnittstelle zur Praxis insbesondere die Branchenkoordination und Kommunikation mit den Weinbaubetrieben übernehmen.

"Bei einer Quarantänekrankheit helfen uns Landes- oder Bezirksgrenzen nicht weiter. Wir brauchen ein österreichweit koordiniertes Vorgehen, klare Zuständigkeiten und vor allem eine rasche und einheitliche Information der Betriebe. Prävention und konsequentes Handeln sind hier wesentlich günstiger als eine unkontrollierte weitere Ausbreitung", unterstreicht Schmuckenschlager.

Weinbau schafft 3,8 Milliarden Euro Wertschöpfung

Neben den aktuellen Herausforderungen verwies der Vorstand auch auf die enorme volkswirtschaftliche Bedeutung des österreichischen Weinbaus. Die von Economica im Auftrag der Österreich Wein Marketing erstellte Wertschöpfungsstudie zeigt, dass die österreichische Weinwirtschaft jährlich rund 3,8 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung, mehr als 68.000 Arbeitsplätze sowie rund 1,2 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben sichert.

Die wirtschaftliche Bedeutung reicht dabei weit über die Weinbaubetriebe hinaus. Gastronomie, Tourismus, Handel, Verarbeitung und zahlreiche regionale Dienstleister profitieren unmittelbar von einer starken heimischen Weinwirtschaft. Gerade in den Weinbauregionen ist der Wein damit ein wesentlicher Faktor für Arbeitsplätze, regionale Entwicklung und Lebensqualität.

"Wer den österreichischen Weinbau stärkt, stärkt nicht nur unsere Betriebe. Unsere Branche ist das Fundament für ganze Regionen, Arbeitsplätze, Tourismus und regionale Wertschöpfung. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss uns bewusst sein, welche Bedeutung eine wettbewerbsfähige Weinwirtschaft für Österreich hat", verdeutlicht Schmuckenschlager.

Marktlage: Krisendestillation als mögliche Maßnahme prüfen

Angesichts des rückläufigen Konsums, steigender Produktionskosten, einer schwächeren Exportdynamik und teilweise hoher Lagerbestände befasste sich der Vorstand gestern auch mit möglichen Instrumenten zur Stabilisierung des Weinmarktes. Anlass ist unter anderem die von Deutschland angestrebte außerordentliche Krisendestillation für das kommende Weinwirtschaftsjahr. Der deutsche Antrag zeigt, dass bei nachweisbaren außergewöhnlichen Marktstörungen zielgerichtete europäische Krisenmaßnahmen grundsätzlich möglich sind. Der Österreichische Weinbauverband fordert daher, dass gemeinsam mit dem zuständigen Bundesministerium die österreichische Marktlage anhand belastbarer Daten zu Lagerbeständen, Preis-, Absatz- und Exportentwicklung sowie zur wirtschaftlichen Situation der Betriebe analysiert wird. Darauf aufbauend sollen die Voraussetzungen und Auswirkungen einer möglichen österreichischen Antragstellung geprüft werden.

"Eine Krisendestillation darf kein Selbstzweck sein. Wenn einzelne Regionen oder Marktsegmente aber nachweislich unter außergewöhnlichen Marktverwerfungen leiden, müssen wir alle verfügbaren europäischen Instrumente prüfen. Entscheidend sind eine solide Datengrundlage und eine gezielte, verhältnismäßige Ausgestaltung", so Schmuckenschlager.

Verband fordert geschlossenes Vorgehen für kommende Herausforderungen

Der Vorstand sieht den österreichischen Weinbau vor einer Phase großer Veränderungen. Rückläufiger Weinkonsum, steigende Produktionskosten, zunehmender internationaler Wettbewerb, neue rechtliche Rahmenbedingungen und pflanzengesundheitliche Herausforderungen verlangen nach einer starken und geeinten Interessenvertretung.

"Die Herausforderungen sind groß, aber Österreich verfügt über hervorragende Winzerinnen und Winzer, starke Regionen und international anerkannte Weine. Unsere Aufgabe als Weinbauverband ist es, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass unsere Familienbetriebe auch in Zukunft erfolgreich wirtschaften können. Herkunft, Qualität und Wertschöpfung müssen dabei unsere Leitlinien bleiben", so Schmuckenschlager abschließend.

Kontakt

  • Josef Glatt MBA
    Prof. DI Josef Glatt MBA
    j.glatt@lk-oe.at
    T 01/53441-8553
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