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Wegen Trockenheit deutlich geringere Getreideernte 2026 erwartet

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01.07.2026 | von Mag. Claudia Jung-Leithner

Klima, Preis-Kosten-Schere, EU-Politik und fehlende Wirkstoffe höchst herausfordernd.

Ernte-PK 01.07.2026.jpg © LKÖ/Jung-Leithner
LK Burgenland-Präsident und Vizepräsident des EU-Bauernverbands (COPA), Nikolaus Berlakovich (links) und LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger (rechts) heute bei der Erntepressefahrt in einem Weizenfeld im burgenländischen Deutschkreutz. © LKÖ/Jung-Leithner
Trockenheit, Hitze und Dürre prägen die Ackerbau-Saison 2025/26. “Derzeit wird bundesweit - mit lediglich 2,7 Mio. Tonnen bzw. einem Minus von 15% - eine deutlich geringere Getreide-Erntemenge (ohne Mais) als im Vorjahr erwartet. Ein Teil des Ertrags ist mit Sicherheit der Professionalität der Ackerbäuerinnen und -bauern sowie den modernen Sorten zu verdanken“, betonte LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger heute bei einem Pressegespräch in Deutschkreutz gemeinsam mit dem LK Burgenland-Präsidenten und Vizepräsidenten des EU-Bauernverbands (COPA), Nikolaus Berlakovich.
 
“Klar ist gleichzeitig auch, dass die Einbußen im Osten erheblich stärker ausfallen als im Westen. Außerdem ist die Getreideanbaufläche nach derzeitigen Schätzungen gegenüber dem historischen Tiefststand 2025 weiter um 0,7% auf erstmals unter 0,5 Mio. ha gefallen, weil Getreide mit der Trockenheit und Hitze schlechter zurande kommt als z.B. Mais“, gab Moosbrugger zu bedenken. Herausfordernd sind für die Ackerbaubetriebe neben dem Klima auch die EU-Politik mit Kürzungsplänen und zusätzlichen Auflagen, die auseinanderklaffende Preis-Kosten-Schere und der kontinuierliche Wegfall von Pflanzenschutz-Wirkstoffen. In diesen Problemfeldern werden dringend Verbesserungen gefordert.

Extrem lange Trockenphasen im Winter und Frühjahr

Die Witterung beim Herbstanbau 2025 war wechselhaft, es folgten teilweise sehr trockene Wintermonate. Nach etwas Regen im Februar gab es wieder eine langanhaltende Trockenphase im März und April. Die Kulturen litten unter dem Niederschlagsdefizit und auch die Temperaturen forderten die Kulturen sehr. Nach einer kurzen Erholung mit Regen im Mai folgte eine extreme Hitze im Juni.
 
Die sehr langen Trockenphasen im Winter und Frühjahr haben eine normale Bestockung, also Bildung von Nebentrieben bzw. ährenbildenden Halmen, erschwert. “Auch jetzt setzt die extreme Hitze vielen Kulturen gerade in der wichtigen Kornfüllungsphase erheblich zu. Die Ernteerwartungen sind bereits früh unterdurchschnittlich ausgefallen und werden angesichts der aktuellen Höchsttemperaturen von Tag zu Tag geringer. Bei dieser Ernte erwarten wir extreme regionale Unterschiede bei Qualität und Ertrag“, berichtete Moosbrugger.

Kulturpflanzen-Auswahl marktbedingt verändert

“Die Anbauentscheidungen waren 2025/26 wieder von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Marktpreisen beeinflusst. Das Preisniveau und die Kostensituation haben die Anbauplanung jedenfalls sehr schwierig gemacht. Die fünf wichtigsten Kulturen in Österreich bleiben aber Mais (Körner- und Silomais), Weizen, Gerste, Sojabohnen und Triticale“, so der LKÖ-Präsident.
 
Besonders stark ausgeweitet wurden im Vergleich zum Vorjahr Sonnenblumen (+19,7%), Roggen (+10,1%), Ölkürbis (+9,5%) und Wintergerste (+3,5%). Doch auch Raps (+5,7%) konnte von sehr niedrigem Niveau wieder zulegen. Heuer prozentmäßig am stärksten an Fläche verloren haben Erdäpfel (-18,5%; vor allem Stärkeerdäpfel mit -50,5%), Körnererbsen (-21,2%), Ackerbohnen (-12,2%), Sommergerste (-12,1%), Hafer (-9,3%) und Zuckerrüben (-8,3%). 

Stark schwankende Erträge und Qualitäten

“Die Getreideerträge schwanken witterungsbedingt in Österreich, sind insgesamt unterdurchschnittlich und nehmen Richtung Trockengebiet im Osten spürbar ab. Bei Winterweizen zum Beispiel geht man aktuell von durchschnittlich bis zu 20% weniger Ertrag pro Hektar aus, während die Schätzungen im Burgenland sogar noch weiter darunter liegen. Auf einzelbetrieblicher Ebene sind die Ertragsschwankungen noch deutlich stärker“, hob LK Burgenland-Präsident Berlakovich hervor. “Dieses Jahr wird es aber auch kleinregional sehr große Unterschiede geben. Bei etwas durchlässigeren, sandigeren Böden ist das Wasser bereits früher ausgegangen. Dort sind sehr dünne Getreidebestände mit wenig Ähren je m² festzustellen. Zusätzlich kann die Trockenheit Qualitätsprobleme verursachen, wenn die Körner nicht ausreichend gefüllt werden und teilweise zu so genannten Schmachtkörnern werden“, so Berlakovich. 
 
“Problematisch ist auch, wenn die Pflanzen nach Niederschlägen nochmals nachtreiben und es dann Ähren mit unterschiedlichen Reifestadien gibt. Auf solchen Flächen ist es katastrophal schlecht. Gut versorgte Böden mit höherem Ton- und Lehmanteil hingegen speichern mehr Wasser und konnten die Dürrephase etwas besser überstehen. Ertragseinbußen gegenüber 2025 werden bei allen Getreidearten, aber auch bei Raps, Körnererbsen und Ackerbohnen erwartet“, erklärte der LK Burgenland-Präsident und LKÖ-Pflanzenbau-Ausschussvorsitzende. Wie es mit den Herbstkulturen genau ausschaut, bleibt noch abzuwarten.

Moosbrugger: Historisch niedrige Getreidefläche muss zu denken geben

“Die wirtschaftlichen Herausforderungen für den Ackerbau sind derzeit größer denn je. Seit der Ernte 2025, die weltweit überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist, stehen die Preise für Ackerfrüchte unter Druck. Die Erzeugerpreise befinden sich auf einem niedrigen Niveau und haben sich bislang - bis auf einzelne Ausnahmen wie Raps - kaum erholt, während die Produktionskosten weiterhin hoch sind, insbesondere für Dünger, Energie, Treibstoffe etc.“, berichtete Moosbrugger weiter.
 
“Diese Entwicklung betrifft nicht nur die klassischen Getreidekulturen, sondern auch kostenintensive Produktionszweige wie Erdäpfel, Zuckerrüben etc.  Für viele Betriebe wird es dadurch immer schwieriger, kostendeckend zu wirtschaften und notwendige Investitionen zu tätigen. Maßnahmen wie der Agrardiesel für 2026 und 2027 sind gerade in dieser Situation unverzichtbar, federn aber nur einen Teil der Kosten ab. Die historisch niedrige Getreidefläche sollte allen zu denken geben“, warnte der LKÖ-Präsident.

EU aufgefordert, hohe Düngemittelpreise zu entschärfen

“Die Düngemittelpreise halten sich aufgrund der Krisen auf hohem Niveau. Es gab einzelne Signale, dass die Düngerpreise sinken könnten, aktuell ist davon in Europa aber noch wenig bemerkbar. Die EU-Kommission hat erste Maßnahmen angekündigt, angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage reichen diese Schritte jedoch nicht aus“, so Moosbrugger, der weitere Entlastungen von der EU fordert. “Es ist nicht nachvollziehbar, dass europäische Bäuerinnen und Bauern im internationalen Vergleich mit den höchsten Düngemittelpreisen konfrontiert sind und noch zusätzlich durch Schutzmaßnahmen für die Industrie, wie den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), belastet werden“, betonte der LK-Präsident, der Entschärfungen fordert und sich einmal mehr für wirksame Importkontrollen bei Agrarerzeugnissen einsetzt - im Sinne der hohen EU-Qualität und von Wettbewerbsfairness.

Starke, ausreichend ausgestattete GAP und Wirkstoffe gefordert

Berlakovich fordert außerdem: “Wir brauchen eine starke, zukunftsweisende und ausreichend finanziell ausgestattete Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) samt Inflationsanpassung. Außerdem müssen praktikable, anreizbasierte Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ein zentrales Ziel sein. Reformvorschläge, welche die GAP schwächen oder Kürzungen im Bereich der Agrar-Umweltmaßnahmen vorsehen, lehnen wir entschieden ab.“ Gleichzeitig müssten die angekündigten Vereinfachungen und Entbürokratisierungen mittels Omnibusverfahren tatsächlich zu einer spürbaren Reduktion des Verwaltungsaufwandes und zu mehr Planungssicherheit für die Betriebe führen, unterstrich der COPA-Vizepräsident.
 
Auch im Bereich des Pflanzenschutzes kämpfen die Betriebe um Praktikabilität, da die Vorschläge der EU-Kommission zur Anpassung der Zulassungsverfahren hinter den Erwartungen zurückbleiben. “Infolge des massiven Verlusts an Wirkstoffen in den vergangenen Jahren und der Tatsache, dass in Europa kaum neue zugelassen werden, muss endlich das Ruder herumgerissen werden - in Richtung Innovationen und Versorgungssicherheit“, so Berlakovich. “Insbesondere wärmeliebende Arten breiten sich infolge des Klimawandels zunehmend aus und verursachen erhebliche Schäden - auch durch übertragene Krankheiten. Jährlich nimmt dieser Druck weiter zu“, so der LK Burgenland-Präsident, der dringend echte Verbesserungen fordert.

Kontakt

  • Claudia Jung-Leithner
    Mag. Claudia Jung-Leithner
    c.jung-leithner@lk-oe.at
    T 01/53441-8770
    M 0676/834418770

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