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Vielfalt ist der Schlüssel

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17.06.2026 | von Dominik Sima

Am Biohof Knappinger in Kantnig setzt Stephan Grasser konsequent auf Vielfalt in Fruchtfolge, Begrünung und Bodenbearbeitung.

Sonnenblumen 2.jpg © Stefan Grasser
Stephan Grasser verwendet keine fertigen Handelsmischungen, sondern neben hofeigenen ausschließlich zugekaufte Einzelkomponenten, die selbst zusammengestellt werden. © Stefan Grasser
Stephan Grasser vom Biohof Knappinger bewirtschaftet in Kantnig, Gemeinde Velden am Wörthersee, einen viehlosen Ackerbau­betrieb. Die Ackerfrüchte – der Schwerpunkt liegt auf dem Anbau von Getreide und Ölfrüchten – werden zum Großteil über die Direktvermarktung im Hofladen und in einigen regionalen Verkaufsstellen vermarktet. Neben ihm arbeitet auch sein Vater Franz tatkräftig mit. Aufgrund der Direktvermarktung kann man in Summe von rund 1,5 Vollarbeitsäquivalenten ausgehen. 

Die Fruchtfolge am Betrieb von Stephan Grasser ist sehr vielfältig. Typisch sind weite Fruchtfolgen mit sich wiederholenden Fruchtfolgegliedern. Das Flächenausmaß der einzelnen Kulturen orientiert sich neben der klassischen Fruchtfolgeregel „Wechsel von Winterung und Sommerung“ vor allem am Bedarf in der Direktvermarktung. So werden am Betrieb bis zu 15 Hauptfrüchte kultiviert, darunter Getreidekulturen (Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Purpurweizen), Buchweizen, Braunhirse sowie Ölfrüchte (Sonnenblumen und Lein). Sie werden ausnahmslos über die Direktvermarktung abgesetzt. Daneben werden die in Kärnten typischen Cashcows Mais und Soja angebaut und an den Agrarproduktenhandel verkauft. 

Aus eigener Produktion

Dem Betriebsleiter ist das Prinzip der Vielfalt wichtig. In der Fruchtfolge werden neben Soja auch Erbsen, Ackerbohnen sowie Wicken im Gemenge mit Roggen angebaut. Neben der Stickstoffbildung dient der Leguminosenanbau – mit Ausnahme von Soja – in erster Linie zur Gewinnung von hofeigenen Komponenten für den Zwischenfruchtanbau. Dies gilt auch für das Gersten-Inkarnatklee-Gemenge: Die Gerste wird regional als Futtermittel vermarktet, der Inkarnatklee kommt im Begrünungsanbau zum Einsatz. Dank der am Hof vorhandenen Maschinenausstattung für die Getreideverarbeitung können alle Begrünungskomponenten vor Ort getrocknet, gereinigt, verpackt und ordnungsgemäß gelagert werden.

Am Biohof von Stephan Grasser werden keine fertigen Handelsmischungen verwendet, sondern neben den „Hofkomponenten“ ausschließlich Einzelkomponenten zugekauft. Die verschiedenen Begrünungsmischungen werden in Abhängigkeit vom Einsatzzweck selbst zusammengestellt. Bei den zugekauften Begrünungspartnern achtet der Betriebsleiter darauf, dass in den Zwischenfrüchten andere Komponenten als in der Hauptfruchtfolge verwendet werden. Bei der Zusammenstellung versucht er Gräser, Kreuzblütler und Leguminosen so gut es geht zu kombinieren. Eine hohe Mischungsvielfalt ist wichtig für die Bodengesundheit und stellt eine natürliche Ausfallsicherung dar, falls aufgrund widriger Witterungsbedingungen einzelne Mischungspartner ausfallen. So wird im Betrieb mit vielen verschiedenen Mischungen und Einzelkomponenten gearbeitet. Um die Zusammenstellung der einzelnen Mischungen zu erleichtern und den Überblick zu behalten, hat sich Grasser einen eigenen Zwischenfruchtrechner in Excel erstellt. 
zf 6.jpg © Stefan Grasser
Seitdem der Begrünungsanbau am Betrieb intensiviert und optimiert wurde, konnte generell eine leichtere Bearbeitung der Ackerflächen verzeichnet werden. © Stefan Grasser

Mischungen an Nutzung anpassen

Am Biohof Knappinger werden viele der Hauptfrüchte pfluglos angebaut. Dazu zählen neben dem Wintergetreide auch die früh anzubauenden Sommerkulturen Ackerbohne, Öllein und Hafer. Um die Biomasse der Zwischenfrucht im Frühjahr leichter einzuarbeiten, wird bei diesen Kulturen auf eine abfrostende, leguminosenfreie Mischung aus Nackthafer, Sandhafer, Sudangras, Phacelia, Kresse, Ramtillkraut, Ölrettich, Sonnenblume und Mais gesetzt. 

Wenn die Grundbodenbearbeitung dagegen im Frühjahr mit dem Pflug erfolgt, wie es beim Mais der Fall ist, dann wird zur Begrünung der Ackerflächen nach der Getreideernte im Vorjahr entweder ein Landsberger Gemenge, das um die abfrostenden Komponenten Phacelia, Sandhafer, Ramtillkraut, Ölrettich, Winterrübsen und Sonnenblume erweitert wurde, oder ein Wickroggen, der um Inkarnatklee, Winter­wicke, Erbsen, Sommer- und Winterackerbohne, Sonnenblume, Kresse und Meliorationsrettich erweitert wurde, angelegt. Aufgrund seiner praktischen Beobachtungen am Feld ist Grasser aber zunehmend von seiner Hofmischung „Landsberger Gemenge PLUS“ überzeugt. Diese hinterlässt einen krümeligen Boden. Seitdem der Begrünungsanbau am Betrieb intensiviert und optimiert wurde, konnte generell eine leichtere Bearbeitung der Ackerflächen verzeichnet werden (Stichwort: Leichtzügigkeit).

Dies liegt zum Teil auch am sogenannten „System Immergrün“. Alle Ackerflächen werden stets begrünt. So gibt es keine Schwarzbrachen. Selbst nach einer intensiven, tiefen Bodenbearbeitung mit Pflug oder Schwergrubber erfolgt innerhalb von 24 Stunden eine Rückverfestigung und Neuanlage von Zwischenfrüchten oder Hauptkulturen. Auch nach Körnermais vor Soja erfolgt ein Begrünungsanbau. Die dafür eingesetzte winterharte, leguminosenfreie Mischung besteht aus Triticale, Roggen, Rübsen und Ölrettich. Sie soll den Boden über den Winter bedecken und mit ihren Wurzeln die letzten freien Nährstoffe aufnehmen. 

Augenmerk auf Untersaaten

Darüber hinaus setzt Grasser stark auf Untersaaten – hier überwiegend auf die fertigen Handelsmischungen „Green Carbon fix“ von Samara und die Untersaatmischung „M2 plus“ von DSV-Saaten. Diese werden in der Fruchtfolge bei den Kulturen Mais, Soja, Sonnenblume und Ackerbohne (Stichwort: Förderung von Untersaaten in der ÖPUL-Maßnahme „Erosionsschutz Acker“) sowie bei Weizen, Dinkel, Hafer, Braunhirse und Öllein angelegt. Lediglich bei Roggen (SLK-Sorte „Oberkärntner“) und Buchweizen wird aufgrund der starken Konkurrenz auf die Anlage von Untersaaten verzichtet. 

Auch für kurze Begrünungszeiträume gibt es eine eigene Mischung. So wird, beispielsweise zwischen Hafer und Roggen, in die bestehende Untersaat mittels Direktsaat eine Mischung aus Buchweizen, Erbse, Ackerbohne, Sudangras, Meliorationsrettich, Serradella und Mais eingeschlitzt.
ZF1.jpg © Stefan Grasser
Eine hohe Mischungsvielfalt in der Begrünung ist wichtig für die Bodengesundheit und stellt eine natürliche Ausfallsicherung dar. © Stefan Grasser

Einarbeitung von Zwischenfrüchten

Grasser legt angesichts der hochwertigen und kostenintensiven Saatgutmischungen großen Wert auf einen sorgfältigen Anbau der Begrünungen. Nur so kann ein guter Feldaufgang gewährleistet werden. Der Zwischenfruchtanbau erfolgt hauptsächlich im Mulchsaatverfahren mit dem Grubber. Der „optimale Zwischenfruchtanbau“ (sofern Bodenbedingungen und Wetter es erlauben) besteht für Grasser im ersten Arbeitsschritt aus einer Kombination aus Frontmulcher und Leichtgrubber im Heck. Anschließend erfolgt der Anbau mit Frontgrubber und Säkombination im Heck. Wichtig ist, dass man auch bei der Bodenbearbeitung flexibel bleibt und rasch auf die jeweilige Situation reagieren kann. Grasser ist zwar kein Fan von zapfwellenangetriebenen Bodenbearbeitungsgeräten, allerdings kommen diese in gewissen Situationen auch in seinem Betrieb zum Einsatz. Dabei achtet er auf einen bodenschonenden Einsatz. So wird beispielsweise nach Roggen bei großen Strohmengen im ersten Arbeitsgang der Leichtgrubber durch eine Bodenfräse ersetzt und vor der Aussaat ein Schwergrubber als zusätzlicher Arbeitsschritt ergänzt, bevor abschließend der Anbau mit Frontwalze und Saatbettkombination erfolgt. 

Stephan Grasser ist überzeugt, dass Vielfalt der Schlüssel für eine nachhaltige Bewirtschaftung ist. Diese muss sich durch alle Bereiche wie ein roter Faden ziehen, egal ob in der Hauptfruchtfolge, beim Anbau von Begrünungen oder bei der Wahl der passenden Bodenbearbeitungsgeräte. All diese Aspekte müssen an die jeweilige Situation und den jeweiligen Zweck angepasst werden.
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