Hitzestress bei Schweinen lindern
Was kann kurzfristig getan werden?
Kühle Luft ansaugen
Dies geht am besten aus einem schattigen Bereich. Dazu eignen sich die Nordseite oder angrenzende Gebäude wie Durchfahrten oder Hallen. Auch das Öffnen aller Zentralgangtüren zeitig am Morgen, um kühle Luft in die Gänge zu bringen, kann zielführend sein.
Süd- bzw. westseitige Fenster beschatten
An Hitzetagen können, ähnlich der Wirkung von Vorhänge oder Rollos in Gebäuden, wirkungsähnliche Vorkehrung auch bei besonders der Sonnenstrahlung ausgesetzten Fenster getroffen werden. Manche Mäster setzen dünne Styroporblatten den Scheiben vor. Genauso kann eine "Abdeckhaube" die Sonneneinstrahlung dämpfen.
Am Regelgerät Solltemperatur und Bandbreite erhöhen
Als Faustregel kann gesagt werden, dass bis zu einer Außentemperatur von 30°C der Sollwert der Lüftung um 5°C niedriger eingestellt sein soll. Es ist zu beachten, dass bei Außentemperaturen von über 28°C eine hohe Luftrate den Stall sicher nicht abkühlen kann. Es genügen 100m³/Stunde (100 kg Schweinen) für die notwendige Sauerstoffzufuhr. Umsichtige Mäster öffnen an extremen Hitzetagen die Abteiltür in den Zentralgang, um zusätzlich Frischluft widerstandfrei ansaugen zu können. Damit wird die Luftrate erhöht.
Wasser aufspritzen
Manche Schweinehalter nehmen die Mühe auf sich und bespritzen die Futtergänge mehrmals täglich mit Wasser. Andere spritzen mit dem Hochdruckreiniger ins Abteil. Bei akuter Stressbelastung können die Tiere mit wenig Druck direkt besprüht werden. Eine Landwirtin z.B. legt auf die Zuchtsau vor dem Abferkeln ein nasses Leintuch. Die ferkelnde Sau kann sich somit etwas abkühlen und ist für die Abferkelung gestärkt.
Tränkeeinrichtung überprüfen
Frisches Trinkwasser ist das wichtigste Futtermittel und muss reichlich zur Verfügung stehen. Auch wenn die Meinung bestehen könnte, dass die Schweine mit dem Tränker spielen, pritscheln und Wasser vergeuden. D.h. Zapfentränker laufend prüfen, ob auch genügend Wasser nachkommt. Die empfohlenen Durchflussraten laut Handbuch Tierschutz sind:
Saugferkel: 0,4 - 0,5 Liter pro Minute
Absetzferkel: 0,5 - 0,7 Liter pro Minute
Mastschwein: 0,8 - 1,8 Liter pro Minute
Trächtige Zuchtsau: 1,5 - 1,8 Liter pro Minute
Säugende Zuchtsau: 2,5 - 3,0 Liter pro Minute
Saugferkel: 0,4 - 0,5 Liter pro Minute
Absetzferkel: 0,5 - 0,7 Liter pro Minute
Mastschwein: 0,8 - 1,8 Liter pro Minute
Trächtige Zuchtsau: 1,5 - 1,8 Liter pro Minute
Säugende Zuchtsau: 2,5 - 3,0 Liter pro Minute
Stallkühlung zum Nachrüsten
Bei Stallneubauten wird großteils eine Stallkühlung eingeplant. Für bestehende Ställe gibt es aber auch Möglichkeiten diese Nachzurüsten.
- Hochdruckkühlung:
- Aggregat und Hochdruckleitungen mit Düsen können in jeden Stall nachträglich eingebaut werden.
- Der Effekt ist vor allem beim nachträglichen Einbau deutlich zu spüren.
- Eine Hochdruckanlage kann auch in Zuluftschächte oder in den Zentralgang eingebaut werden.
- Diese Variante kann auch in Kombination mit einer Porendecke ausgeführt werden.
- Der Knackpunkt bei Hochdruckanlagen ist die Reinheit des Wassers. Filteranlagen müssen eingebaut werden und sind, so wie die Düsen, zu reinigen. Der Wartungsaufwand darf je nach Wasserqualität nicht unterschätzt werden. Ärgerlich ist, wenn nach Funktionspausen, Düsen verstopft sind und in belegten Ställen geschraubt und geputzt werden muss.
- Niederdruckanlagen:
- Eine Zeit- bzw. Temperatursteuerung sorgt für Besprühung des Zentralganges. Wenn an heißen Tagen der Boden nass wird, stört das nicht.
- Der Vorteil dieses System ist, dass die Funktion gut überwacht und die Anschaffung preisgünstig ist.
- Mobile Kühlung:
- diese kann im Ansaugbereich des Zentralganges vorgeschaltet werden
- Aggregat hat auf einer Palette Platz und ist somit mobil
- Nur Strom und Wasseranschluss notwenig
- Für ein Gerät mit einer Luftleistung von 18.000 m³/Stunde ist mit ca. 3.000 Euro Anschaffungskosten zu rechnen.