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Moosbrugger erwartet Dürreschäden - Regen dringend notwendig

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06.05.2026 | von Mag. Claudia Jung-Leithner

Bisherige Forderungen durch aktuelle Situation erneut untermauert.

Josef Moosbrugger, Präsident der LKÖ © Schedl für LKÖ
© Schedl für LKÖ
LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger im Interview zur aktuellen Dürresituation, erwarteten Schäden in den einzelnen Kulturen sowie kurz- und längerfristigen Forderungen.
Wie würden Sie die derzeitige Situation zusammenfassen? Erwartet die Landwirtschaft bereits Ausfälle?
 
Ja, die Bäuerinnen und Bauern warten dringend auf Regen, vor allem im Osten und Süden. Niederösterreich, Oberösterreich, Kärnten, Burgenland, Wien, die Steiermark und Salzburg klagen derzeit sehr. Stellenweise haben wir laut Hagelversicherung ein Niederschlagsdefizit von 60% und mehr. Es wird somit Ausfälle geben, vor allem bei Wintergetreide, Mais, Soja, aber auch im Grünland. Dass landwirtschaftliche Kulturen geschädigt sind, ist somit schon jetzt klar, aber Niederschlag in kommenden Tagen könnte noch viel abfedern bzw. gutmachen. Allerdings sagen Wetterprognosen für die nächsten Tage wenig Niederschlag voraus.
 
Wie schaut die aktuelle Situation im Ackerbau genau aus?
 
Die wichtigsten Kulturen kommen jetzt in die Phase, in der sie am meisten Wasser brauchen. Also der Weizen beispielsweise ist im „Schossen“, das heißt, er wächst in die Höhe und die Bodenvorräte sind in den meisten Regionen derzeit am Limit. Wenn es in den nächsten Tagen ausgiebig regnet, könnte es noch eine einigermaßen normale Ernte werden. Aber leider sprechen die Wetterprognosen derzeit eher eine andere Sprache. Und mit steigender Temperatur wächst natürlich auch der Wasserbedarf. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für Grünland, wo weniger Futter zuwächst. Der erste Schnitt war in den meisten Regionen unterdurchschnittlich, ohne Niederschlag wächst für die Folgeschnitte kaum etwas nach.
 
Was passiert, wenn es in den nächsten Tagen nicht regnet?
 
Wenn es in den nächsten zwei Wochen nicht ausgiebig regnet, ist von deutlichen Ertragseinbußen auszugehen. Bei der Zuckerrübe kommt dazu, dass diese zwar schon aufgelaufen ist, also gekeimt hat. Wenn es ausreichend feucht wäre, könnte sich die Rübe zügig entwickeln und dem Rübenderbrüssler, einem gefürchteten Schädling, davonwachsen. Das ist derzeit wegen der Trockenheit nicht der Fall, der Rübenderbrüssler hat also jede Menge Zeit, um sein Unwesen zu treiben. Je kleiner die Pflanzen sind, desto mehr werden weggefressen. Das kann auch zu einem Totalausfall großer Flächen führen. Für die Bäuerinnen und Bauern heißt das volle Kosten investiert, null Ertrag. Wenn Kulturen schlecht mit Wasser versorgt und geschwächt sind, steigt also auch der Schädlingsdruck, Pflanzen sind anfälliger. Dass in vielen Bereichen Wirkstoffe zum Schutz der Pflanzen fehlen, verschlimmert die Situation natürlich zusätzlich.
 
Wie geht es den Ackerbauern generell?
 
Die Ackerbäuerinnen und -bauern haben mit massiv gestiegenen Preisen bei den Produktionsmitteln und mit der Trockenheit zu kämpfen. Drittens ist auch die Preissituation enorm angespannt. Leider haben die Landwirtinnen und Landwirte nicht die Möglichkeit, ihre Produktionskosten zu kalkulieren und darauf aufbauend einen Preis festzusetzen. Der Preis wird vielmehr von Angebot und Nachfrage am Markt bestimmt und der Betrieb muss damit zu Rande kommen. Das ist derzeit eine sehr schwierige Rechnung und geht sich in vielen Bereichen kaum aus. Wir bräuchten dringend bessere Erzeugerpreise und einen höheren Wertschöpfungsanteil.
 
Ist auch der Weinbau schon von der Dürre betroffen?
 
Beim Wein ist es viel zu früh, etwas zu sagen, er treibt gerade einmal aus. Entscheidend ist dann eher die Zeit von der Blüte im Frühsommer bis zur Reife, wenn die Trauben wachsen und sich mit Saft füllen. Natürlich freuen sich auch die Weinreben, wenn es einmal ergiebig regnet und die Bodenvorräte gefüllt werden. Aber für Prognosen im Hinblick auf die Ernte ist es viel zu früh, ebenso bei anderen tiefwurzelnden Sonderkulturen wie Obstbäumen. Im Wein-, aber auch Obstbau sind es eher die Spätfröste, vor denen sich die Bäuerinnen und Bauern derzeit fürchten.
 
Wie schaut die Situation beim Gemüse aus?
 
Gemüse gibt es hauptsächlich im Bewässerungsgebiet. Das heißt, dort kann man die Feuchtigkeit mit der Beregnung steuern. Das kostet allerdings sehr viel Geld – auch für die notwendige Energie, die durch den Iran-Krieg noch teurer geworden ist. Und auch die (Grund-)Wasserverfügbarkeit ist nicht überall ausreichend. Deswegen gibt es in den meisten Regionen keine Möglichkeit für großflächige Beregnung.
 
Braucht es insgesamt mehr Bewässerung?
 
Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre sieht man, dass die Trockenphasen immer ausgedehnter werden und immer früher eintreten. Das heißt, langfristig wird man sicher Projekte zur Bewässerung vorantreiben müssen. Das ist aber ‚Zukunftsmusik‘ und hilft den Bäuerinnen und Bauern in der diesjährigen Situation nicht. Planung und Umsetzung solcher Projekte brauchen viele Jahre und sind sehr teuer.
 
Wie ist die Lage insgesamt in der Landwirtschaft?
 
Die wirtschaftliche Situation ist derzeit sehr schwierig, weil wir hohe Kosten – auch wegen des Iran-Kriegs – haben, aber niedrige Erzeugerpreise, die sich – wie gesagt – marktbedingt nicht einfach an die Kosten anpassen lassen. Zusätzlich bereiten uns die zunehmenden Importe von Produkten mit schlechteren Produktionsstandards und die Zukunftspläne der EU-Kommission große Sorgen. Wir wehren uns gegen einen Totalumbau und Mittelkürzungen für die Gemeinsame EU-Agrarpolitik. Wir bräuchten vielmehr Stabilität, echte Zukunftsperspektiven und Inflationsanpassung statt Kürzung, um dringend notwendige Investitionen in die Betriebe zu ermöglichen - im Sinne der Versorgungssicherheit aller. Wir bekennen uns zu Qualität und Nachhaltigkeit, brauchen aber Praktikabilität und keine unnötige Bürokratie oder unsinnig-kostentreibende Auflagen.
 
Was braucht die Landwirtschaft zur Bewältigung extremer Dürren?
 
Wir brauchen - wie ich immer sage - sowohl Klimawandel-Eindämmung als auch -anpassung sowie ein gutes Risikomanagement, von Hagel- und Mehrgefahrenversicherung über Risikostreuung bei Kulturen und vieles mehr. Im Bildungs- und Beratungsbereich setzen wir in allen Bereichen Schwerpunkte, von der Energieeffizienzberatung bis zu www.klimafittelandwirtschaft.at mit über 160 konkreten Maßnahmenempfehlungen für Rinder- und Schweinehaltung, Acker- und Grünland. Unsere Land- und Forstwirtschaft hat auch im Kampf gegen die Klimaverschlechterung mit regionalen Lebensmitteln, nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbarer Energie viel Potenzial, das es verstärkt zu nützen gilt. Was das Kurzfristige betrifft, wird es auf die nächsten Wochen ankommen.

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