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Mit Martini naht der Höhepunkt der Weidegans-Saison Jubiläum

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19.10.2026 | von LK Oberösterreich

30 Jahre Traunviertler Weidegans.

Weidegänse .jpg © Hebesberger
250 Mitgliedsbetriebe der "Österreichischen Weidegans" halten heuer 50.000 Weidegänse in ganz Österreich. © Hebesberger
Mit diesem Jubiläum feiert eine erfolgreiche bäuerliche Vermarktungsinitiative ihren runden Geburtstag. Die 1996 gegründete Projektgruppe war - nach dem Start eines ersten Weidegans-Projekts im Mühlviertel im Jahr 1992 - maßgeblich daran beteiligt, die Österreichische Weidegans aufzubauen und die heimische Gänsehaltung wieder zu stärken. Zum Auftakt der diesjährigen Gansl-Saison rund um den Martinitag am 11. November zeigt sich die Erfolgsgeschichte auch in Zahlen: Rund 30.000 Weidegänse grasen aktuell auf Oberösterreichs Weiden, und der Eigenversorgungsgrad mit heimischen Gänsen liegt trotz eines leichten Produktionsrückgangs bei rund 34%.

“Das Projekt Österreichische Weidegans, das 1992 im Mühlviertel ins Leben gerufen wurde, hat sich zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Mittlerweile ziehen rund 250 Mitgliedsbetriebe jährlich etwa 50.000 Weidegänse österreichweit auf und bringen sie direkt in die Vermarktung. Je nach Region werden konventionell gehaltene, frische Gänse heuer ab Hof zu Preisen zwischen 14 und 16 Euro pro Kilogramm angeboten. Für Biogänse müssen Konsumentinnen und Konsumenten einige Euro mehr einplanen. Laut einer aktuellen Umfrage unter verschiedenen Vermarktern blieben die Preise im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil.

Auch Weidegans-Betriebe waren von Dürre und Hitze betroffen

Die anhaltende Trockenheit und zahlreiche Hitzetage stellten heuer auch die österreichischen Weidegans-Betriebe vor große Herausforderungen. Die Gans ist zwar die einzige Geflügelart, die Gras besonders gut verwerten kann, doch in vielen Regionen fehlten die für die Weidehaltung wichtigen saftigen Grünflächen. Die Betriebe mussten deshalb mit frischem Mähgras, Maissilage oder Getreide zufüttern, um die Futterversorgung sicherzustellen. Zusätzlich wurden den Tieren vor allem während der heißen Mittags- und Nachmittagsstunden vermehrt Schattenplätze angeboten.

Besonders angespannt war die Situation bei den Elterntierbetrieben. Oberösterreich verfügt mit zwei Gänseelterntierbetrieben und einer Brüterei über die einzigen Einrichtungen dieser Art in Österreich. Die Hitze wirkte sich sowohl auf die Legeleistung der Gänse als auch auf die Fruchtbarkeit der Ganter aus. Weniger Bruteier und eine geringere Befruchtungsrate führten dazu, dass in der Brüterei weniger Gössl schlüpften. In Summe wird die heimische Weidegans-Produktion daher heuer etwas kleiner ausfallen als in den Vorjahren.

“Gerade unter diesen Bedingungen zeigt sich aber die Stärke der traditionellen Weidehaltung. Österreichische Weidegänse wachsen besonders tiergerecht auf Grünlandflächen auf und erreichen erst nach rund 18 bis 24 Wochen ihr Schlachtgewicht. Die Kombination aus Weidefutter und ergänzender Getreidefütterung sorgt für die hohe Fleischqualität und den charakteristisch zarten Geschmack der heimischen Weidegans“, so Waldenberger.

30 Jahre Traunviertler Weidegans

Die Traunviertler Weidegans feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Die Projektgruppe wurde 1996 gegründet und zählt damit zu den Pionieren der organisierten Gänsehaltung in Österreich. Aufbauend auf den ersten Weidegans-Projekten, die Anfang der 1990er-Jahre im Mühlviertel entstanden, entwickelte sich daraus die Erfolgsgeschichte der Österreichischen Weidegans (ÖWG), die heute 13 Projektgruppen in mehreren Bundesländern sowie in Südtirol umfasst.

Obfrau Heidi Hebesberger, die zugleich an der Spitze der Österreichischen Weidegans steht, blickte auf drei Jahrzehnte erfolgreicher Aufbauarbeit zurück. Besonderer Dank galt dem langjährigen Geschäftsführer und Wegbereiter Ing. Max Gala, der gemeinsam mit Heidi Hebesberger maßgeblich zum Aufbau der Gänseringe in ganz Österreich beigetragen hat. Über viele Jahre war er zentrale Ansprechperson für die heimischen Weidegans-Betriebe. Sein Tod im heurigen Jahr hinterlässt in der Weidegans-Familie eine große Lücke.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurden langjährige Mitglieder für ihr Engagement mit Ehrenurkunden ausgezeichnet. Waldenberger würdigte die Leistungen der Gründerinnen und Gründer sowie aller Mitgliedsbetriebe: “Ohne den Einsatz der Österreichischen Weidegans wäre der Wiederaufbau der heimischen Gänsehaltung in diesem Ausmaß nicht gelungen. Die Traunviertler Weidegans hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt und wesentlich dazu beigetragen, dass österreichische Weidegänse heute wieder einen festen Platz am Markt haben.“

Neueinsteiger in die Weideganshaltung gesucht

Gerade kleinere, bäuerliche Betriebe mit hohem Grünlandanteil sind häufig auf der Suche nach alternativen Produktionsformen, die eine sinnvolle Nutzung bestehender Wirtschaftsgebäude und Flächen ermöglichen. Für sie bietet die Weideganshaltung eine attraktive Option. Denn obwohl der Eigenversorgungsgrad mit heimischen Gänsen bereits deutlich gestiegen ist, besteht in Österreich weiterhin Potenzial nach oben. “Weidegänse direkt vom bäuerlichen Betrieb sind stark nachgefragt - vorausgesetzt, die Vermarktung erfolgt direkt ab Hof“, erklärt Waldenberger.

Europäisches Weidegans-Angebot schwankt stark

Die Importzahlen gestalten sich sehr uneinheitlich: Die Wirtschaftskrise und Ausfälle durch Vogelgrippe und Newcastle Disease (ND) haben die Produktion in Polen, Ungarn, Deutschland und Frankreich sehr stark beeinflusst. Die EU-Brutstatistiken zeigen ein deutliches Minus der Kükenschlüpfe von 10 – 15% für 2026. Das betrifft überwiegend die Versorgung von Gastronomiebetrieben, die zu einem großen Teil auf ausländische Ware setzen und von dort aus auch gerne beliefert werden, weil in Österreich höhere Preise als in den Ursprungsländern bezahlt werden.

“Für die bäuerlichen Weidegans-Produzenten sind diese Importmengen von geringer Bedeutung, da ihre Kunden schon seit vielen Jahren auf Tierwohl und Regionalität setzen. Etwa 85% der Weidegänse werden direkt ab Hof an Wirte bzw. Endverbraucher verkauft. Das Geschäft ist also von Stammkundinnen und -kunden geprägt“, so Waldenberger.

Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt je Österreicher im Jahr bei zehn Dekagramm. Umgerechnet könnte man sagen: Jeder Österreicher bzw. jede Österreicherin konsumiert einmal im Jahr ein Gansl-Gericht. Durch die etwas gestiegenen Importmengen 2025 und die annähernd gleich hohe Inlandsversorgung gab die Eigenversorgung auf knapp 34% nach. In den vergangenen Jahren kommt im Durchschnitt jede dritte Gans aus Österreich. 

Österreich setzt auf die frische Gans ab Hof

Die frische ganze Gans direkt vom Bauernhof - mit diesem Motto gehen die heimischen Erzeuger seit Jahrzehnten in die Herbstsaison. Daran wollen sie auch nichts ändern. Ein heuer im Lebensmittelhandel gefundenes Beispiel bestätigt die langjährige Annahme, dass Tiefkühlgänse aus dem Osten jahrelang am Lager liegen können, bevor sie zum Verkauf angeboten werden. Bei einer Recherche wurde im Handel eine tiefgekühlte Weidegans gefunden, die am 5. Oktober 2023 eingefroren wurde. Die Haltbarkeit des Tieres wird bis April 2026 angegeben. Das ergibt eine Lagerdauer von zweieinhalb Jahren.

Gansl-Saison wird länger

Trotz laufender Veränderungen in der Gastronomie wird der Saisonhöhepunkt rund um den Martinitag am 11. November erwartet. Die Kunden legen noch immer großen Wert auf die Tradition des Martinigansl-Essens. Um den Kunden die Möglichkeit zu geben, diese regionale Spezialität länger genießen zu können, werden die Gansl- und Wildwochen oft auf die Herbstmonate aufgeteilt. Online sind frische Gansln unter www.weidegans.at zu finden. Auf der Homepage gibt es auch viele Gansl-Rezepte.

Bettwaren mit heimischen Daunen und Federn

Die heimische Weidegans liefert nicht nur hochwertiges Fleisch, sondern auch erstklassige Daunen und Federn für Polster und Decken. Durch die lange Aufzucht auf der Weide können die Daunen besonders gut ausreifen und haben sich international als Qualitätsprodukt etabliert. Der “Lebendrupf“ ist in Österreich gesetzlich verboten.

Daunen überzeugen als nachhaltiger Naturrohstoff durch ihre hohe Wärmeleistung und Langlebigkeit. Sie nehmen Feuchtigkeit auf, sorgen für ein angenehmes Schlafklima und können viele Jahre genutzt werden. Damit stehen heimische Daunenprodukte für Komfort, Regionalität und gelebte Nachhaltigkeit.
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