Hitze und Trockenheit setzen Wiener Weinbau zu, doch 2026 verspricht Spitzenqualität
Gastgeber Hans Schmid und sein Weingutsleiter Thomas Podsednik zu deren Weingut “Mayer am Pfarrplatz“ Wiens kleinster Weingarten am Schwarzenbergplatz gehört, zeigten sich höchst alarmiert. “Die extreme Trockenheit und eine in dieser Intensität und Dauer noch nie dagewesene Hitzewelle haben unseren Weinreben in diesem Sommer das Äußerste abverlangt“, so Hans Schmid, “und wir rechnen für das laufende Jahr mit Ertragseinbußen von rund 25%“. Das liegt einerseits an der Trockenheit selbst, andererseits musste in manchen Weingärten die Traubenlast der Rebstöcke händisch reduziert werden, um diese zu retten. Darüber hinaus droht dem Wiener Weinbau Gefahr durch die so genannte amerikanische Rebzikade, die nach dem Burgenland, der Steiermark und Niederösterreich nun auch erstmals in Wien gesichtet wurde. Sie überträgt die gefährliche Quarantänekrankheit Goldgelbe Vergilbung und befallene Stöcke müssen sofort gerodet werden. Immerhin erwarten Schmid und Podsednik zum Start der Lese bei geringer Menge eine sehr gute Qualität: “Die Beeren sind kerngesund und der Most hat hohe Gradationen, da die Rebstöcke ihre ganze Kraft in die wenigen Trauben stecken können. 2026 hat damit das Zeug zu einem denkwürdigen Jahrgang mit dichten, konzentrierten und langlebigen Weinen!“
Ein Plan muss her
Der Präsident des Wiener Weinbauverbandes und selbst Winzer Norbert Walter betonte, dass für die Wiener Stadtlandwirtschaft die aktuelle Situation nicht überraschend kommt. “Die jüngsten Entwicklungen treffen uns nicht unvorbereitet, denn wir setzen schon seit Jahren aktiv Schritte, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Dazu gehört eine Tröpfchenbewässerung, bei der mit sehr geringem Wassereinsatz gezielt nur die Rebe selbst bewässert wird. Darüber hinaus hat der Wiener Weinbau mit 47% den höchsten Anteil aller Bundesländer an biologisch bewirtschaften Rebflächen, was unter anderem durch Humusaufbau und Begrünung in den Weingärten zu einer verbesserten Wasserversorgung der Reben führt. Jetzt brauchen wir jedoch möglichst rasch einen umfassenden Wassermanagement- und Wassersicherungs-Plan für die Wiener Stadtlandwirtschaft. Der Klimawandel wird in Zukunft immer häufiger zu Trockenheit und Hitzeperioden führen und darauf müssen wir uns schon heute in einer gemeinsamen Strategie von Stadt Wien und Landwirtschaft optimal vorbereiten“, so Norbert Walter.
Ludwig: Heurigenkultur stärkt den Wiener Weinbau
“Die Versorgungssicherheit der Wienerinnen und Wiener mit frischen und regionalen Lebensmitteln ist uns ein wichtiges Anliegen“, erklärte Bürgermeister Michael Ludwig, “das gilt für Gemüse, Obst und Getreide genauso wie für den Weinbau“. Und der Bürgermeister ergänzt: “Mit der Wiener Stadtlandwirtschaft arbeiten wir eng zusammen, denn viele Werkzeuge und Institutionen für eine nachhaltige Landwirtschaft liegen im Städtischen Bereich. Ebenso ist es die Aufgabe der Stadt, die politischen Rahmenbedingungen für eine ressourcenschonende und nachhaltige landwirtschaftliche Produktion zu schaffen“. Ludwig betont aber auch, dass es die Politik allein nicht richten kann: “Jede und jeder kann einen Beitrag leisten, indem regionale Produkte nachgefragt und die Wiener Weinbaubetriebe sowie ihre Heurigen unterstützt werden. Das stärkt die Wertschöpfung vor Ort und hilft den Betrieben unmittelbar.“