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Auch deutliche, dürrebedingte Einbußen bei Herbstkulturen prognostiziert

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24.07.2026 | von Mag. Claudia Jung-Leithner/Pressesprecherin

Moosbrugger fordert EU-Kommission zum Handeln punkto Betriebsmittel(kosten) auf

LK-Präsident Josef Moosbrugger auf einem dürregeschädigten Zuckerrübenfeld im Burgenland bzw. nur dieses Feld. © Jung-Leithner/LKÖ
Auch deutliche, dürrebedingte Einbußen bei Herbstkulturen prognostiziert © Jung-Leithner/LKÖ
Dass Trockenheit und Hitze nicht nur eine deutlich geringere Ernte bei Getreide und anderen Winterungen verursacht, sondern auch die Sommerungen bzw. Herbstkulturen mindestens ebenso stark beeinträchtigt haben, berichten LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger und LKÖ-Pflanzenbau-Referatsleiter Andreas Pfaller. Gleichzeitig stellt der LKÖ-Präsident auch deutliche Forderungen an die EU-Kommission.

Getreideernte wird so früh wie noch nie abgeschlossen

2026 begann die Getreideernte in Österreich schon sehr früh ab 9. Juni in den östlichen Anbaugebieten und verläuft zeitlich versetzt bis in den Norden und Nordwesten des Landes. Auffällig ist heuer der außergewöhnlich frühe Erntebeginn. Das Erntezeitfenster rückt in Dürrejahren zusammen, die Erntetermine der Spätdruschgebiete sind auch näher bei den Frühdruschgebieten als in einem durchschnittlichen Jahr. Der Großteil der Ernte wird nächste Woche, also in der letzten Juliwoche, abgeschlossen sein, während sich die Getreideernte in normalen Jahren bis Mitte August erstreckt.
Zuckerrübenfeld im Burgenland bzw. nur dieses Feld © Jung-Leithner/LKÖ

Mit extremen Dürrejahren 2017 und 2018 vergleichbar

Die Erntemengen werden voraussichtlich unseren Prognosen vom Juni entsprechen oder sogar noch etwas darunter liegen. Damit fällt die Getreideernte mit minus 15 (bis 20)% deutlich geringer aus als im Vorjahr und liegt auch klar unter dem langjährigen Durchschnitt. „Sie reiht sich somit in die schwächsten Getreideernten der vergangenen zehn Jahre ein und ist mit den extremen Dürrejahren 2017 und 2018 vergleichbar. Der Unterschied ist, dass die Dürre dieses Jahr nach der Ernte weiter anhält und auch die Herbsternte extrem treffen wird“, berichtet LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger.

Besonders stark von der Trockenheit betroffen sind das Weinviertel und das Nordburgenland, wo die Niederschlagsdefizite bislang am größten ausfielen. Die Sommertrockenheit erstreckt sich noch weiter auch bis zum oberösterreichischen Zentralraum rund um Wels und Linz.

Gewitter brachten nur punktuell Entspannung bei Herbstkulturen

In den vergangenen vier Wochen kam es regional zwar zu vereinzelten Gewittern, die punktuell Niederschläge brachten, wichtig waren und dort auch zu einer leichten Entspannung bei den Herbstkulturen sorgten. Jedoch waren diese Niederschläge nur auf einzelne Landstriche begrenzt. „Im Weinviertel gibt es Regionen, in denen in den letzten vier Wochen nicht einmal 10 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen sind. Niederschlagsmengen unter 5 mm verdunsten in der Regel sehr rasch und stehen den Pflanzen daher kaum als pflanzenverfügbares Wasser zur Verfügung“, erläutert Moosbrugger.

Boden spielt große Rolle – Notreife auf Schotteruntergrund

Die Entwicklung der Getreidebestände der Ernte 2026 war von zwei Dürrephasen bestimmt. Zunächst führte die ausgeprägte Frühjahrstrockenheit dazu, dass insbesondere auf Standorten mit geringer Wasserspeicherfähigkeit – wie sandigen oder steinigen Böden sowie Flächen mit Schotteruntergrund – die Getreidebestände die Zahl der Halme deutlich reduziert haben. „Diese von Beginn an lockeren Beständen heizten sich in der darauffolgenden Hitzeperiode zusätzlich schneller auf und gerieten rascher in eine Notreife“, so der LKÖ-Präsident.

Überraschend gute Weizenqualität

„Trotz der somit geringen Erntemengen zeigen sich die Qualitäten beim Weizen überraschend positiv. Da die schwächeren Standorte bereits frühzeitig die Halmanzahl und Ährengröße reduziert hatten, konnten die wenigen verbliebenen Ähren und Körner auch während der intensiven Julihitze noch ausreichend gefüllt werden. Das trockene Wetter hat zudem eine problemlose, trockene Ernte ohne nennenswerte Qualitätsverluste ermöglicht. Besonders die für die Backqualität entscheidende Eiweißqualität wird als sehr gut eingestuft. Entsprechend wird heuer überwiegend Mahlweizenqualität geerntet“, erklärt Moosbrugger.

Die Wintergerste war die erste Kultur, die geerntet wurde, was rasch abgeschlossen werden konnte. Da Wintergerste immer bereits im September bzw. Oktober des Vorjahres ausgesät wird, konnte sie die im Winter gespeicherte Bodenfeuchtigkeit gut nutzen. Sie hat die Frühjahrstrockenheit vergleichsweise gut überstanden und insgesamt zwar niedrigere, aber dennoch für die Niederschlagsmenge moderate Erträge erzielt.

Roggen, Triticale, Hafer, Sommergerste, Raps mit deutlich geringeren Erträgen

Roggen und Triticale sind weniger anspruchsvoll, was den Bodenstandort betrifft, werden gerne auf leichten Standorten angebaut und haben - ähnlich wie Weizen - deutlich geringere Erträge gebracht.

Hafer und Sommergerste werden stets erst im Frühjahr angebaut und sind generell aufgrund der kurzen Vegetationszeit, in der in diesem Jahr extrem wenig Niederschlag fiel, ebenfalls stark von der Trockenheit betroffen gewesen. Mittlerweile wird mehr als die Hälfte der Sommergerste bereits im Herbst angebaut, damit sie die Winterniederschläge besser nutzen kann.

Die Rapserträge waren deutlich unterdurchschnittlich. Selbst in den westlichen Anbaugebieten mit guten Böden wurde erheblich weniger Raps geerntet.

Herbstkulturen noch stärker von Dürre betroffen wie Getreide & Co

„Mais - Körnermais und Silomais -, Zuckerrübe, Kartoffel, Soja, Sonnenblume, Kürbis – sie kämpfen aktuell mit extremer Trockenheit - wie noch nie“, betont Moosbrugger.

Körnermais sollte aktuell in die Blüte gehen. Das heißt, der Kolben und die Fahne werden ausgebildet und die Befruchtung sollte stattfinden. Man sieht viele Flächen, auf denen die Blätter stark eingerollt werden und wo teilweise Blätter absterben und dürr werden. Diese Bestände werden nicht erntbar und als Totalausfall zu verzeichnen sein“, berichtet der LKÖ-Präsident.

„Silomais ist - zusätzlich zum Grünland - das wichtigste Futter für die Tierhaltung. Im Grünland sind die Erntemengen deutlich unter dem Durchschnitt. Die Silomaisbestände sind aktuell noch nicht realistisch abzuschätzen, aber auch hier sieht man Flächen, die als Totalausfall verzeichnet werden müssen“, so Moosbrugger.

„Zuckerrüben können kurzzeitig Trockenphasen übertauchen, aber die aktuelle Trockenphase dauert schon viel zu lange, vor allem in den niederösterreichischen und burgenländischen Anbaugebieten“, ergänzt LKÖ-Pflanzenbau-Referatsleiter Andreas Pfaller.

„Sonnenblumen sind normalerweise für das Trockengebiet eine gute Alternativkultur. Aber auch hier sieht man dieses Jahr extrem niedrige Pflanzen, die aktuell eine Blüte bilden. Doch auch diese Blüte und somit die Erträge werden deutlich kleiner ausfallen, die Körner werden noch dazu einen hohen Schalenanteil haben mit nur kleinem Inhalt“, berichtet Pfaller.

Soja ist ebenfalls aktuell in der Blüte. „Die Bestände haben schon erheblich unter der Trockenheit gelitten und bei großer Hitze wie aktuell wirft Soja teilweise Blüten ab, was sofort zu geringeren Ertragserwartungen führt. In welchem Ausmaß das der Fall ist, bleibt abzuwarten“, so der Pflanzenbau-Experte.

„Erdäpfel leiden ebenfalls stark unter Hitze. Auch wenn Knollen angesetzt worden sind, ist der Zuwachs bei den Knollen aktuell überschaubar, das Kraut beginnt bereits dürr zu werden, da hilft auch Regen nur mehr wenig. Die Hauptanbaugebiete von Erdäpfeln liegen in Niederösterreich, wo die Niederschläge schon am längsten ausgeblieben sind“, so Pfaller.

„Die Obstkulturen waren im Frühjahr kleinflächig in tiefen Lagen von Frost betroffen. Die Hitzewelle Ende Juni hat teilweise Schäden durch Sonnenbrand verursacht. Betroffen waren insbesondere Kirsche, Heidelbeere und Kernobst wie Apfel und Birne. Auch die Obstkulturen leiden unter der anhaltenden Trockenheit und wachsen bei der aktuellen Trockenheit kaum. Es ist mit einer zumindest 20 bis 25% geringeren Ernte zu rechnen“, berichtet Moosbrugger.

Auch Weingärten leiden unter Hitze und Trockenheit

„Auch die Weinanlagen leiden unter der Trockenheit. Vor allem Junganlagen sind besonders betroffen. Die konkreten Auswirkungen auf die Ernte lassen sich noch nicht abschätzen, die Ernte wird zeitlich aber voraussichtlich sehr früh sein. Wenn die Trockenheit anhält, wird es auch eine deutlich kleinere Weinernte geben“, so der LKÖ-Präsident.

Gemüse leidet unter Hitzestress

„Die meisten Gemüseflächen werden mittlerweile bewässert. Wenn Bewässerung nicht möglich ist, führt dies zu kleinen Früchten, schneller Abreife, schlechte Lagerfähigkeit etc. Dennoch zeigen die Kulturen Hitzestress. Außerdem sind Schädlinge bei den Extremtemperaturen eine große Herausforderung, um die für die Vermarktung geforderten Qualitäten ernten zu können“, erläutert Moosbrugger, der sich auch für bessere Möglichkeiten zum Schutz der Ernten einsetzt.

Düngerpreise 50% höher als im Vorjahr – rentable Produktion kaum zu erzielen

„Ab Juli beginnen Landwirtinnen und Landwirte üblicherweise mit dem Einkauf des Düngers im Frühbezug. Die aktuellen Entwicklungen haben jedoch wieder dazu geführt, dass die Öl- und Gaspreise deutlich gestiegen sind. Auch die Düngerpreise sind auf sehr teurem Niveau und ca. 50% höher als im letzten Jahr. Eine rentable Produktion ist angesichts der derzeitigen Erzeugerpreise aktuell nur schwer darstellbar“, gibt Moosbrugger zu bedenken.

„Umso wichtiger war es, zumindest die Wettbewerbsbenachteiligung der österreichischen Bäuerinnen und Bauern im Bereich des Agrardiesels, den es in den meisten EU-Ländern gibt, zu verringern“, betont der LKÖ-Präsident. „Wir fordern auch die EU-Kommission zu echten Entschärfungen im Düngerkostenbereich auf. Die bisher in Aussicht gestellten Maßnahmen reichen viel zu wenig weit“, so Moosbrugger, der zwar befürwortet, dass die EU-Düngemittelindustrie geschützt wird, jedoch scharf kritisiert, dass das auf Kosten der Landwirtschaftsbetriebe stattfindet, und Verbesserungen fordert.

Höhere Erzeugerpreise dringend notwendig

„Auch wenn die Weizenpreise auf internationalen Börsen in den letzten Tagen gestiegen sind, sieht man das aktuell in Österreich im physischen Getreidehandel noch nicht angekommen“, so Moosbrugger. Die geernteten Weizenqualitäten sind sehr gut und für die Mahlindustrie aktuell ausreichend vorhanden. „Auch wenn es aktuell noch nicht zu sehen ist, werden sich die Preise für Weizen erhöhen müssen, da in Europa extrem viel Mais fehlen wird, der - wenn möglich - teilweise durch Weizen ersetzt werden wird. Die Maispreise haben ebenfalls bereits zugelegt und werden aufgrund der geringeren Erntemengen in Europa voraussichtlich weiter zulegen. Dies ist auch dringend notwendig, um die gestiegenen und nach wie vor steigenden Dünger-, Treibstoff- und Energiepreise decken zu können“, so Moosbrugger, der es außerdem als wichtig erachtet, die regionalen Märkte mit dem AMA Gütesiegel Ackerfrüchte zu bearbeiten.

„Auch Winterraps hat im Preis zugelegt und wäre - neben Getreide - eine interessante Alternativkultur. Das Öl gilt auch aufgrund seiner Inhaltsstoffe als besonders wertvoll. Leider sehen wir seit einigen Jahren, dass wirtschaftlich vertretbare Erträge trotzdem nur schwer erreichbar sind, auch wegen fehlender Möglichkeiten zum Schutz der Kulturen vor diversen Schädlingen“, erklärt der LKÖ-Präsident, der Abhilfe fordert.

Kontakt

  • Claudia Jung-Leithner
    Mag. Claudia Jung-Leithner
    c.jung-leithner@lk-oe.at
    T 01/53441-8770
    M 0676/834418770
  • Andreas Pfaller
    DI Andreas Pfaller
    a.pfaller@lk-oe.at
    T 01/53441-8548
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