11. Jahrestagung des Pflanzenschutz-Warndienstes
Die jährliche Jahrestagung bietet Gelegenheit, die Umsetzung des Pflanzenschutz-Warndienstes im laufenden Jahr zu evaluieren, Erfahrungen auszutauschen und die Schwerpunkte für das kommende Jahr festzulegen. Auch 2026 wurde der Pflanzenschutz-Warndienst österreichweit, kultur- und spartenübergreifend sowie kostenfrei über die Online-Plattform warndienst.at zur Verfügung gestellt. Möglich ist dies durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit der Kooperationspartner LFI Österreich als Projektträger, Landwirtschaftskammer Österreich als Projektleitung, AGES, AGRANA und Biene Österreich. Die Bedeutung des Pflanzenschutz-Warndienstes für die landwirtschaftliche Praxis zeigt sich auch in den Zugriffszahlen: Bis zum 28. September 2026 wurden 1 007 356 Zugriffe auf der Plattform warndienst.at registriert, berichtet Projektleiterin Vitore Shala-Mayrhofer.
Monitoring und Prognose als Grundlage für gezielten Pflanzenschutz
An über 650 Standorten wurden Monitorings zu insgesamt 73 Schaderregern durchgeführt. Erfasst werden Pilzkrankheiten, Schädlinge und Virosen in verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen. Ergänzend stehen rund 40 Prognosemodelle zur Verfügung. Sie liefern standortbezogene Informationen zur Entwicklung und zum Auftreten von Schaderregern und unterstützen die Landwirtinnen und Landwirte bei ihren Pflanzenschutzentscheidungen. Ziel ist es, Pflanzenschutzmittel möglichst gezielt und nur dann einzusetzen, wenn aufgrund der jeweiligen Situation ein entsprechender Bedarf beziehungsweise eine Gefährdung besteht
Begrüßung durch Kammerdirektor DI Werner Brugner
Herr Kammerdirektor DI Werner Brugner begrüßte zu Beginn die Teilnehmer der Pflanzenschutz-Warndiensttagung im Erzherzog-Johann-Saal der Landwirtschaftskammer Steiermark und hob die historische Bedeutung des Namensgebers für agrarische Innovationen hervor. Er betonte, dass die Freigabe von Finanzmitteln für dieses Projekt stets verantwortungsvoll unterstützt wurde, da der Warndienst eine entscheidende Grundlage für die landwirtschaftliche Produktion darstellt. Aufgrund der steirischen Vielfalt im Acker-, Gemüse-, Obst- und Weinbau ist der Warndienst für die Landwirtinnen und Landwirte ein unverzichtbares Werkzeug für eine erfolgreiche Bewirtschaftung. Neben dem Dank an die Mitwirkenden wünschte er der Tagung einen ertragreichen Verlauf und empfahl den Gästen das geplante Abendprogramm inklusive einer Stadtführung durch Graz.
Aktuelle Entwicklungen und neue Herausforderungen
Mit 20 Fachvorträgen bot die Jahrestagung einen umfassenden Überblick über wichtige Entwicklungen und Erfahrungen aus dem Jahr 2026 sowie einen Ausblick auf die kommenden Aktivitäten. Im Mittelpunkt standen unter anderem die Monitorings der Glasflügelzikaden bei Zuckerrübe, Kartoffel und Gemüse, der Schnellkäfer bei Kartoffel, der Amerikanischen Rebzikade im Weinbau und die dazu entwickelten Maßnahmen, der Varroa-Milbe sowie der Asiatischen Hornisse. Ergänzend wurden die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Pheromonfallen am Beispiel des Apfelwicklers sowie die Entwicklung automatisierter Schnellkäferfallen vorgestellt. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Monitorings weiterer Krankheiten und Schädlinge in den Bereichen Ackerbau, Obstbau, Gemüsebau und Weinbau, die im Rahmen des Projekts Pflanzenschutz-Warndienst durchgeführt wurden, rundeten das abwechslungsreiche fachliche Programm der Tagung ab. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Evaluierung und Weiterentwicklung von Prognosemodellen für verschiedene Schaderreger, unter anderem für Mykotoxine, Maiszünsler, Baumwollkapseleule, Cercospora, Drahtwürmer und die Amerikanische Rebzikade. Bei der Entwicklung neuer Prognosemodelle spielt neben der fachlichen Genauigkeit insbesondere die praktische Nutzbarkeit eine zentrale Rolle. Die Modelle sollen verlässliche, standortbezogene und verständliche Informationen liefern, die direkt in pflanzenschutzrelevante Entscheidungen einfließen können.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Mit Spannung wird auch die geplante Umsetzung der neuen Pflanzenschutz-Warndienst-App für den Acker- und Gemüsewarndienst erwartet, die Vorab ab Frühjahr 2027 zur Verfügung stehen soll. Darüber hinaus eröffnet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten für die Weiterentwicklung des Pflanzenschutz-Warndienstes. Die entsprechenden Entwicklungen wurden im Rahmen der Jahrestagung vorgestellt und stießen auf großes Interesse. Gleichzeitig bleibt die Qualität und Verlässlichkeit der bereitgestellten Informationen eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz neuer Technologien.
Dank an alle Mitwirkenden durch die Projekleiterin
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Pflanzenschutz-Warndienstes ist die enge Zusammenarbeit mit den Fachexpertinnen und Fachexperten in den Bundesländern sowie mit den Monitoringverantwortlichen, Beraterinnen und Beratern, Fallenbetreuerinnen und Fallenbetreuern und den Kooperationspartnern. Ein besonderer Dank gilt den Fachexpertinnen und Fachexperten der Landwirtschaftskammer Steiermark für ihren engagierten Beitrag zur reibungslosen Umsetzung des Warndienstes in der Steiermark. Ebenso gilt der Dank allen weiteren Mitwirkenden sowie den Fördergebern und Sponsoren, die mit ihrer Unterstützung die Umsetzung und Weiterentwicklung des Pflanzenschutz-Warndienstes ermöglichen, so die Projektleiterin.
Gemeinsam weiter auf sicherem Kurs
Die Herausforderungen im Pflanzenschutz werden durch den Klimawandel, neue beziehungsweise sich ausbreitende Schaderreger und veränderte Schädlingssituationen zunehmend komplexer. Umso wichtiger sind verlässliche Monitoringdaten, praxistaugliche Prognosemodelle und eine rasche Bereitstellung verständlicher Informationen. Der Pflanzenschutz-Warndienst soll auch in Zukunft ein verlässlicher Partner der Landwirtschaft bleiben – wissenschaftlich fundiert, praxisnah, unabhängig und mit dem Ziel, Pflanzenschutzmaßnahmen möglichst gezielt und nachhaltig einzusetzen. Die 11. Jahrestagung hat dafür wichtige Impulse gegeben und die Grundlage für die weitere Entwicklung und Umsetzung des Pflanzenschutz-Warndienstes im Jahr 2027 geschaffen. Die Umsetzung der für 2026 geplanten Aktivitäten wurde durch die finanzielle Unterstützung des BMLUK, die Eigenmittel der Landwirtschaftskammern sowie das Sponsoring der RWA ermöglicht, so Projektleiterin und Organisatorin der Tagung Vitore Shala-Mayrhofer.
Link zur Webseite: www.warndienst.at
Link zur Webseite: www.warndienst.at