17.05.2021 | von BauernJournal

Initiative für die Digitalisierung gestartet

Das Austrian Institute of Technology (AIT) und das Land Niederösterreich wollen durch digitale Methoden die Landwirtschaft effizienter, klima- und ressourcenschonender machen.

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Angela Sessitsch (AIT), Hannes Androsch (AIT-Präsident), Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LR Jochen Danninger. © Juhasz/APA-Fotoservice
Die nachhaltige Produktion von gesunden Lebensmitteln für alle ist eine der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Eine große Hilfe dabei kann die Digitalisierung sein: Das Sammeln von Daten und deren intelligente Auswertung erlaubt verlässliche Prognosen und fundierte Entscheidungsoptionen für eine bedarfsgerechte Bewirtschaftung. Dadurch werden höhere Erträge, gesündere Produkte, bessere Umweltverträglichkeit und eine nachhaltigere Kreislaufwirtschaft möglich. So können z. B. lokal Pflanzenschädlinge frühzeitig erkannt werden und der Einsatz von Pestiziden gesteuert und letztlich reduziert werden.

Konkrete Hilfe für die Praxis

Einen großen Fortschritt in diesem Bereich soll die nun vom Land Niederösterreich gemeinsam mit dem AIT gestartete Initiative “d4agrotech“ (Datengesteuerte und KI-basierte digitale Systemlösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft 4.0) bringen. Die Forscher des größten außeruniversitären Forschungszentrums Österreichs werden in den nächsten Jahren am Standort Tulln gemeinsam mit Partnern digitale Systeme entwickeln, aus denen konkrete Lösungen für Landwirtschaftsbetriebe abgeleitet werden können.

Digitale Unterstützung für das Agrarland

“Durch die Initiative d4agrotech wird zum einen die Landwirtschaft im größten Agrarland Österreichs gestärkt - in Niederösterreich gibt es rund 38.000 landwirtschaftliche Betriebe, jeder fünfte Arbeitsplatz im Land hängt direkt oder indirekt von der Landwirtschaft ab. Zum anderen werden die Digitalisierung gefördert und innovative Lösungen ‘made in Niederösterreich‘ ermöglicht, die der nachhaltigen Lebensmittelproduktion dienen“, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Um die innovativen Methoden möglichst rasch in Anwendung zu bringen, werden Unternehmen mit ins Boot geholt. “d4agrotech“ ist sehr anwenderorientiert und versteht sich als Initiative für Industriepartner.In das Projekt fließt viel neues Know-how ein. Zum einen die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Mikroorganismen: Diese ist die Basis für nachhaltige Pflanzenschutzmethoden und alternative biologische Methoden zur Düngung. Überdies kann dieses Wissen dafür genutzt werden, Pflanzen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels (z.B. Dürre, Schädlinge) zu machen. Zum anderen werden neuartige Sensoren entwickelt, die die natürliche Geruchsverarbeitung technisch nutzbar machen und viele neue Anwendungen ermöglichen. Durch ein Profil von Biomarkern auf dem Feld, in Gewächshäusern oder Lagerhallen/Silos kann z.B. der Einsatz von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln effizienter gestaltet, der Erntezeitpunkt genauer bestimmt oder bei Schädlingsbefall rascher reagiert werden.

Besondere Anforderungen

Bei der Digitalisierung der Landwirtschaft sei die Herausforderung, dass alle Bereiche innig miteinander vernetzt seien, erläutert die AIT-Forscherin Angela Sessitsch: Die Bodenbeschaffenheit, das Mikrobiom (die Gesamtheit aller Mikroorganismen in einem Lebensraum), klimatische Faktoren und der gesamte Bereich der chemischen Kommunikation zwischen Pflanzen und ihrer Umgebung stünden miteinander in engster Wechselwirkung. Daten aus diesen Bereichen werden mithilfe von Sensoren (z. B. im Boden, Landmaschinen) gewonnen, mit weiteren Informationen (z.B. Satelliten-, Wetterdaten) verknüpft und mithilfe von künstlicher Intelligenz ausgewertet.