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Unter dem Titel "Zukunft des Stärkekartoffelanbaus unter geänderten Marktbedingungen" stellte der Gastreferent Werner Hilse seine Einschätzung der Branchenentwicklung im Lichte der Vorschläge zum Health Check vor. Hilse ist Präsident des europäischen Stärkekartoffelverbandes (CESPU), Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Präsident des Landesbauernverbandes Landvolk Niedersachsen, Vorsitzender der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (UNIKA) und Aufsichtsratsvorsitzender der CMA (Centralen Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft).
Zunächst gab Hilse einen Überblick über die sich verändernden Verhältnisse auf den Weltagrarmärkten. Durch das Bevölkerungswachstum von jährlich rund 80 Millionen Menschen verringere sich die verfügbare Ackerfläche pro Kopf. Zu einer Nahrungsmittelverknappung käme es auch durch den erhöhten Verzehr, vor allem von Fleisch, in den aufstrebenden Schwellenländern wie China und Indien. Betrachtet man die Weltversorgungsbilanz von Weizen und Mais so konnten die Lager in den letzten zehn Jahren lediglich 2004 etwas aufgefüllt werden, in allen anderen Jahren gingen die Lagerbestände zurück. Die Politik ziehe sich mehr und mehr aus der Marktordnung zurück. Unter den neuen Bedingungen werde es auch auf dem Stärkekartoffelsektor zu Veränderungen kommen. Ausschlaggebend werden laut Hilse die Preisentwicklungen auf dem Getreidemarkt sein, die zur Preisfindung auf dem Stärkemarkt dienen. Einen großen Einfluss auf die Preisgestaltung würde auch der Kostensteigerung für Betriebsmittel und Boden zukommen. Ziel einer künftigen Ausrichtung der Marktordnung für Stärkekartoffel müsse die Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit von Stärkekartoffeln sein, solange die Märkte noch in Entwicklung sind. Hilse betont wie wichtig es sei, die Stärkekartoffelproduktion in Regionen zu sichern in denen Alternativen fehlen. Ein weiteres Ziel müsse der Abbau der mit der Produktion verbundenen Bürokratie sein.
In Zusammenhang mit dem Health Check fordert die CESPU (europäischer Stärkekartoffelverband) für 2009/10 und 2010/11 eine Fortsetzung des bestehenden Systems mit 100 % Koppelung sowie Beibehaltung des Mindestpreises und der Quote. Für 2011/12 und 2012/13 soll es eine 60 %ige Kopplung an die Produktion geben. Weiters fordert die CESPU Marktregulierungsinstrumente, um den Stärkekartoffelmarkt stabil zu halten.
Die EU-Kommission hat am 20. Mai 2008 die ersten Vorschläge zum Health Check veröffentlicht. Für 2009/2010 und 2010/11 ist darin eine Beibehaltung des bestehenden Systems vorgesehen. Die Quote soll bis 2013 erhalten bleiben. Für die Jahre 2011/12 und 2012/13 ist eine 50% Kopplung der Prämie und die Entkopplung der Fabriksprämie vorgesehen. Laut Entwurf werden auch der Mindestpreis und ab 2010 die Exporterstattungen beseitigt. Als Referenzzeitraum sind ein oder mehrere Jahre zwischen 2005 und 2008 vorgesehen.
Hilse betonte die Bedeutung der Stärkekartoffelproduktion. Er ist davon überzeugt, dass die Getreidepreise langfristig weiter ansteigen. Da die Getreidepreise unmittelbaren Einfluss auf die Stärkepreise hätten, würden auch diese in Zukunft ansteigen. Die Nutzung von Nebenprodukten der Kartoffelstärkeindustrie wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Aufgrund der höheren Flächenproduktivität von Kartoffel gegenüber Getreide, werde die Kartoffelstärke immer im Wettbewerb bestehen können – bei steigenden Preisen umso mehr. Hilse bezeichnet Westeuropa als die fruchtbarste Region der Welt und auch Technik und Logistik sind auf einem sehr hohen Niveau. Unter diesen Vorraussetzungen könne man optimistisch in die Zukunft blicken.
Kartoffelstärke hat Zukunft
Die Vereinigung österreichischer Stärkekartoffelproduzenten (VÖSK) hat am 2. Juni 2008 in der Bildungswerkstatt Mold ihre Jahreshauptversammlung abgehalten.
25.06.2008


