Modelle der österreichischen Schulmilchverteilung
In Österreich wurde vor 83 Jahren im Jahr 1930 in Wien eine Schulmilchaktion ins Leben gerufen, die zunächst auf private Gebefreudigkeit angewiesen war. Nach 1945 startete das Sozialministerium die sogenannte Auspreisungsaktion. Im sozialpartnerschaftlichen Milch-wirtschaftsfonds wurden die Schulmilchaktivitäten in Österreich bis 1993 stark gefördert. Ein Prämierungssystem der Österreichischen Milchinformationsgesellschaft – Goldenes Milch-glas für die Schule mit höchster Beteiligung jährlich zum Weltmilchtag - unterstützte die Teil-nahme an der Schulmilchaktion.
20 Jahre Schulmilch vom Bauern
1993 begannen die ersten Milchbauern im Rahmen der Direktvermarktung Schulen und Kindergärten täglich mit frischen, pasteurisierten Milchprodukten aus der Region zu versorgen. 2008 liefern 105 bäuerliche Schulmilchlieferanten (rund 80 % der Menge) und sechs Molkereien bzw. Logistikunternehmen täglich Schulmilch an die Kindergärten und Schulen in ganz Österreich. Das Projekt "Bäuerliche Schulmilchlieferanten" wurde 2001 in Wieselburg mit dem Agrarprojektpreis ausgezeichnet.
Verantwortungsbewusstsein und Zusammenarbeit führen zum Erfolg
Der Erfolg der Schulmilch an einer Schule ist immer abhängig vom Impuls. Danach von der guten Zusammenarbeit aller an der Maßnahme Beteiligten. Zahlreiche Schulen haben schon jahrelang Schulmilch, sind von der Vielfalt der Produkte, vom Engagement der Lieferanten, der Qualität und Regionalität begeistert. Schulmilch ist dort zur Selbstverständlichkeit geworden, noch dazu, wo viele Kinder ohne gefrühstückt zu haben, zur Schule kommen. In vielen Schulen Österreichs ist es den Kindern nicht möglich, täglich die "Portion Kalzium" zu sich zu nehmen. Alle Beteiligten - Schulerhalter, Direktor, Lehrpersonal, Eltern, Kinder, Milchwirtschaft, Politik, Schulwarte, Schulärzte, …. – tragen Verantwortung für die Teilnahme der Kinder am Europäischen Schulmilchprogramm. Dieses wird sowohl von der Europäischen Union als auch von Österreich finanziell unterstützt.
Bestellung – Verteilung – Abrechnung
Egal ob Molkereien oder Schulmilchbauern in der Region die regelmäßige Schulmilchversorgung vornehmen, nach einer entsprechenden Information der Schüler und Eltern sind die regelmäßigen Bestellungen zu koordinieren, die Verteilung in der Schule zu organisieren und die Abrechnung zu tätigen. Werden Schulmilchprodukte über Automaten abgegeben ist eine entsprechende Betreuung erforderlich Schulmilch an der Schule bzw. im Kindergarten funktioniert immer dann, wenn sich einzelne Personen persönlich und langfristig für das Angebot engagieren. Es gibt kein Patentrezept – oft sind schulspezifische Modelle zu erarbeiten.
Klassisches Milchverteilermodell:
Nach einer Information über Schulmilch an Kinder und Eltern werden die Bestellungen wöchentlich, 14-tägig oder monatlich an den Lieferanten erteilt. Die Lieferung erfolgt täglich rechtzeitig vor Unterrichtsbeginn. Die Verteilung in der Schule in "Klassenkisten" erfolgt durch Schul- oder Schülerverantwortliche. Der Schulmilchdienst der Klasse nimmt die Kiste mit den Produkten zu Unterrichtsbeginn in die Klasse bzw. holt sie in der Großen Pause und bringt die leeren Kisten mit den Leergebinden wieder zurück, wo diese am nächsten Tag vom Lieferanten zurückgenommen werden. Die Kinder bringen das monatliche Schulmilchgeld, welches monatlich an den Lieferanten übergeben, überwiesen oder mit Einziehungsauftrag abgerechnet wird. Die Produkte werden je nach Region und Lieferant entweder in Glasflaschen, Becher oder Kartonverpackungen geliefert. Die bäuerlichen Schulmilchlieferanten nehmen die Becher und Glasflaschen wieder zurück, sodass kein Müll an der Schule bleibt. Wer vor Ort in der Schule diese drei Aufgaben (Bestellungskoordination, Verteilung in Klassenkisten und Verteilung an die Klassen und Abrechnung) durchführt, kann sehr unterschiedlich sein. Das Engagement in vielen Schulen reicht vom Gemeindevertreter, Lehrer, Direktor, Schulwart, Eltern und Schüler.
Online-Bestellsystem
Es gibt für Schulmilch ein extra dafür entwickeltes Online-Systeme, das in über 500 Schulen bereits im Einsatz ist. Dadurch können Schulen (neuerdings sogar Schüler bzw. Eltern) Schulmilchprodukte online bestellen. Es sei hier nur so viel angemerkt, dass dadurch der Verwaltungsaufwand insbesondere im Zusammenhang mit der Bestellung, Abrechnung, AMA-Beihilfen usw. für Schulen und Bauern enorm reduziert werden kann.
Abgabe durch Milchautomaten:
Milchautomaten sind sehr teuer, sehr störanfällig und nur in größeren Schulen wirklich wirtschaftlich und sinnvoll. Weiters bedarf es einer verantwortungsvollen Betreuung, da nicht jeden Tag geliefert wird. Darüber hinaus ist vielfach eine eigene Preispolitik bei Automaten erforderlich.
Abgabe von Schulmilch im Schulbuffet:
In Einrichtungen mit Buffets bzw. Vormittagsverpflegung der Kinder können Schulmilchprodukte von diesen abgegeben werden. Die Verrechnung erfolgt dann nicht individuell sondern über Elternvereine, Schulpartnerschaften bzw. eigene Träger.
Schulmilch vom Nahversorger
Kann eine Schule weder eine Molkerei noch einen Schulmilchbauern für die regelmäßige Belieferung finden, dann ist eine Kooperation mit dem Nahversorger einzugehen. Der Schulerhalter (Bürgermeister), die Schulleitung (Direktor/in) und der Kaufmann der Ortschaft vereinbaren eine gesicherte Schulmilchversorgung der Kinder. Der Kaufmann kann die gewünschten Produkte täglich über seine Molkerei ordern, die Zustellung an die Schule organisiert der Schulerhalter mit dem Kaufmann, die Verrechnung erfolgt durch die Schulleitung mit dem Kaufmann. Dieses Modell kann wiederum unterschiedliche Gesichter haben, mit Verantwortungsbewusstsein und Willen ist jedoch eine Belieferung mit den für die Kinder so wichtigen Milchprodukten möglich.
Bildungs- und Marketingmaßnahmen
Die Interessensgemeinschaft bäuerlicher Schulmilchlieferanten veranstaltet für die Schulmilchlieferanten Hygieneseminare, Schulmilchtagungen sowie Lehrfahrten und fördert den Erfahrungsaustausch. Gemeinsam werden laufend Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Schulmilchprogrammes erarbeitet und umgesetzt. Neben der Schulmilchhomepage www.rund-um-die-schulmilch.at steht das Multimediapaket "Professor Lactosius und die Schulmilch" mit DVD, Lehrer- und Schülerunterlagen sowie brauchbare Werbemittel für Kinder (Lineale, Schlüsselanhänger etc.) zur Verfügung. Bei Schulfesten und Sportfesten können Präsentationen über die Schulmilchpalette mit dem Schulmilchlieferant vereinbart werden.
Lehrausgang zum Schulmilchbauernhof
Viele Schulen nutzen jährlich die Möglichkeit eines Lehrausganges auf den regionalen Schulmilchbauernhof. Dabei wird die Schulmilchproduktion vorgestellt, die Futterbasis für Kühe erklärt, die Kälberhaltung gezeigt, die Melkanlage besichtigt und bei einer Milchjause Fragen an den Milchbauern gestellt. Dieser Lehrausgang wird sehr gerne mit einer Wanderung verbunden und im Herbst bzw. in den Monaten Mai und Juni abgehalten.
Jährlich ist am 1. Juni der Weltmilchtag. Am letzten Mittwoch im September findet jährlich der Weltschulmilchtag mit Informationen, Veranstaltungen und Projektunterricht statt.
17.06.2013
