Bezirksbäuerinnenseminar 2012 © Archiv
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Bezirksbäuerinnenseminar 2012

Zu ihrem Informatins- und diskussionstreffen kamen über 100 Bezirksbäuerinnen aus ganz Österreich ins Kloster Bezau, um diekünftigen Arbeitsschwerpunkte zu erörtern.
"Bäuerinnen spielen im Unternehmen Bauernhof eine zentrale Rolle, weil der Großteil der Betriebe partnerschaftlich geführt wird und bereits rund 40 Prozent der österreichischen Bauernhöfe von Frauen allein gemanagt werden. Dieser hohe Frauenanteil in der landwirtschaftlichen Produktion soll künftig verstärkt in der Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden, um das Bild der Landwirtschaft positiv zu beeinflussen", unterstrich Anna Höllerer, Vorsitzende der ARGE Österreichische Bäuerinnen in der LK Österreich. Daher werde verstärkt auf den Dialog mit den Konsumenten gesetzt, weil der direkte, persönliche Kontakt das Image der Landwirtschaft am nachhaltigsten präge. Ziel des Seminars war es, den Bäuerinnen einen Motivationsschub für die Öffentlichkeitsarbeit zu geben und sie durch die Erstellung eines Argumentationskataloges zu unterstützen.

Image und Markenbildung

Bezirksbäuerinnenseminar in Bezau © Archiv
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Aus Ergebnissen einer aktuellen Studie zeigte Dr. Simone Helmle von der Universität Hohenheim auf, dass sich die Bevölkerung durchwegs ein positives Bild der Landwirtschaft macht, wenngleich dieses aus fachlicher Sicht vage ist. Wo direkter Kontakt ins Spiel kommt und Landwirte bei ihrer Arbeit erlebbar und greifbar sind, entsteht eine Beziehung, die dem Image förderlich ist. Negativschlagzeilen werden nicht auf bekannte Betriebe übertragen. Begegnungen und Gespräche im Alltag zu nutzen, bringe mehr als groß angelegte Imagekampagnen, ist die Referentin überzeugt.

"Regionalität hat viel mehr Bedeutung als andere Kriterien wie gen- oder laktosefrei", stellte DI Manuela Göll vom AMA-Marketing in ihrem Referat zur Positionierung österreichischer Lebensmittel fest. Vor allem bei Milch, Butter und Fleisch legt der Konsument großen Wert auf österreichische Herkunft. 85 % der Kunden vertrauen auf das AMA-Gütesiegel. Über die Qualitätsstrategie wird Nachhaltigkeit belegt, die Genuss-Strategie zielt auf die Freude am Kochen und Genießen ab, und mit der Marktstrategie werden Absatzförderung und Marktbeobachtung verfolgt.
Sozusagen ein Best-practice-Beispiel auf regionaler Ebene lieferte Mag. Raimund Wachter mit der Entwicklung der Ländle Milch. Marken müssen sich klar positionieren und Orientierungshilfen sein. Das Ziel der Marke sei es, eine Beziehungsebene zum Kunden aufzubauen und mit der Marke Vertrauen zu schaffen. Neben marketingtechnischem Know-how setzt Wachter bei der Markenführung auch auf den Hausverstand, um das Gefühl für eine Marke zu bekommen.

Geschickte Kommunikation

Festabend auf Baumgarten © Archiv
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Dem Auseinanderdriften von Landwirtschaft und Gesellschaft wird in Vorarlberg mit der Kommunikationskampagne für die Land- und Forstwirtschaft begegnet. "Die Bevölkerung weiß eigentlich nicht mehr, was auf einem Bauernhof vorgeht und wie Lebensmittel erzeugt werden", so Andrea Schwarzmann. Mit der Kampagne soll die Landwirtschaft wieder mehr als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werden. Nur mit gegenseitigem Verständnis und Vertrauen kaufe der Konsument auch heimisch und der Steuerzahler sei bereit, einen Beitrag für die Landschaftspflege zu leisten. Die im letzten Jahr gestartete Kampagne steht unter dem Motto "Unsere Land- und Forstwirtschaft. Wertvoll Fürs Land." Mit sieben Botschaften werden die bäuerlichen Leistungen auf verschiedenen Kanälen kommuniziert und durch besondere Aktionen für die Bevölkerung sichtbar gemacht.
Eine Vielzahl praktischer Tipps und Anregungen lieferte Mag. Martina Rüscher neben ihrer Moderation. Vom Bewusstmachen der Kraft der Marke über Kommunikationsinstrumente wie die AIDA-Regel bis zur Sprache der Werbung bot sie den Bäuerinnen wertvolle praktische Anleitung für die Kommunikation im eigenen Umfeld.

Auf Nachhaltigkeit setzen

Tortenbuch der Schwarzenberger Bäuerinnen © Archiv
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Am Beispiel der herausragenden Dorfentwicklung von Langenegg zeigte LK-Direktor Dr. Gebhard Bechter auf, dass durchaus etwas gegen Landflucht und Verarmung der Dörfer getan werden kann. Bewirkt wurde dieser Umschwung mit der Festigung der Nahversorgung, Betriebsansiedlungen und dem Leitthema Energieeffizienz. "Diese Entwicklung war nur mit gezielter Bewusstseinsbildung, mutigen Entscheidungen, Glück und engagierter Bürgerbeteiligung möglich", betont Bechter. Gekrönt wurden die Bemühungen aller mit dem "Europäischen Dorferneuerungspreis" im Jahr 2010.
Kann man Nachhaltigkeit messen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Mag. Wilhelm Linder von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, Wien. Der "ökologische Fußabdruck" ist eine Kennzahl für die ökologischen Auswirkungen des heutigen Lebensstils, beinhaltet aber nur einen Aspekt der Nachhaltigkeit. Eine Möglichkeit auf internationaler Ebene ist der Human Development Index (HDI): er beschreibt, wie hoch das Pro-Kopf-Einkommen ist und wie gut das Bildungs- und Gesundheitssystem eines Landes ausgebaut ist. Beim HDI liegt Österreich im Spitzenfeld, entwickelt aber zusehends eine Wegwerfkultur. "Wir müssen überlegen, welche Wirtschaftsformen zukunftsfähig sind, welcher Lebensstil nachhaltig – in der Region, in unserem Betrieb", will Linder die Menschen aufrütteln und zum Nachdenken anregen.

Designerküchen udn Discounterlebensmittel

Referenten und Organisatorinnen © Archiv
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Ralf Klöber, der in Kassel ein Kompetenzzentrum für Hauswirtschaft unterhält und sich eingehend mit Qualitätsmanagement, Beratung und Schulung befasst, stellte die zentrale Frage: "Wollen wir künftig Lebensmittel oder Lebensmüll zu uns nehmen?" Industrienahrung – Hühnersuppe etwa mit 0,1 % Fett und Hühnerfleisch für 29 Cent – kann der Gesundheit nicht zuträglich sein. Leider bevorzugten viele Kinder den Geschmack von Tütensuppen, weil sie den einer mit frischen Lebensmitteln zubereiteten nicht kennen. Der Handel setzt bereits auf den Gegentrend zum Regionalen, verwirre den Verbraucher aber oft mit zu vielen Gütesiegeln. Klöber rät zum Einkaufen vor Ort, das zudem Transportkilometer und Emissionen spare. "Wenn die Gesellschaft nicht bereit ist, Ihnen einen fairen Preis zu bezahlen, dann muss sie es eben indirekt tun", weist er auf den Wert natürlicher Lebensmittel.
In punkto Ernährung schloss Anna Höllerer die Tagung mit einer Erfolgsmeldung ab: "Es ist uns gelungen, in der neuen Mittelschule das Fach ‚Hauswirtschaft und Ernährung’ einzubringen".

LK-Direktor Dr. Gebhard Bechter © Archiv
Vorarlberger Teilnehmerinnen © Archiv