Tag der Wiener Landfrauen © LK Wien
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"Abenteuer Alltag" als Motto beim Tag der Wiener Landfrauen

Mentaltrainerin Christine Hackl zeigte auf, wie man im Alltag Gesundheit und Wohlbefinden stärken kann. Das Thema "Green Care" stand dann nachmittags beim Gespräch am runden Tisch im Mittelpunkt.
"Abenteuer Alltag" lautete das Motto beim diesjährigen Tag der Wiener Landfrauen, der vor kurzem im Festsaal der Veterinärmedizinischen Universität Wien über die Bühne ging. Verena Scheiblauer von der LK Wien führte durch den Nachmittag und präsentierte nach den Grußworten durch Landesbäuerin Irene Trunner und Kammerpräsident Franz Windisch einen stimmungsvollen Rückblick auf das Jahr 2011 der Wiener Landfrauen. Im anschließenden Vortrag zum Thema "Abenteuer Alltag" zeigte Wirtschafts- und Mentaltrainerin Christine Hackl auf, wie man Höhen und Tiefen am besten bewältigen kann.
Um im Alltag gesund bleiben zu können, sei es wichtig, dass man für sich die Sinnfrage klärt. Laut Viktor Frankl (1905-1997, österr. Neurologe und Psychiater, Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse) gibt es drei Grundhaltungen, aus denen heraus Menschen Dinge tun:

  • Ego (etwas tun um eigene Bedürfnisse zu erfüllen, ohne Rücksicht auf Andere)
  •  Sinn (etwas zur eigenen Freude und zum Nutzen anderer Menschen – in dieser Reihenfolge – tun) und
  • Zweck (etwas tun um anderen Menschen zu gefallen, um fremden Vorstellungen zu entsprechen).

Mentaltrainerin Christine Hackl © LK Wien
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Die einzige Grundhaltung davon, die auf Dauer zur Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden führt, ist der Sinn. Menschen, die aus einer Zweckhaltung heraus handeln, nehmen oft wenig Rücksicht auf sich selbst, was zu Krankheiten führt, die diese Menschen dann zur Rückbesinnung auf sich selbst zwingen. Wird aus dem Ego heraus gehandelt und keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer Menschen genommen, kann das lange gut gehen, doch irgendwann fehlt der soziale Verbund, den jeder Mensch braucht.
 Im Gleichgewicht kann man nur bleiben, wenn man sowohl auf sich selbst achtet als auch darauf seinen Beitrag zu leisten.
  •  Konkret für den eigenen Alltag heißt das: Gehen Sie liebevoll mit sich selbst um. Nehmen Sie sich bewusst Zeit für sich selbst. Tun sie sich ohne schlechtes Gewissen etwas Gutes (Sie müssen sich dafür nicht rechtfertigen!) Wenn Sie sich nur zehn Minuten pro Tag Zeit für sich nehmen, hat das einen größeren Erholungswert als ein Thermenwochenende
  • Jeder Mensch trägt für die Sinnerfüllung seines Alltags Eigenverantwortung. Hackl definiert diese als "das gesunde Ziehen einer Grenze um sich selbst herum; äußere Ereignisse stoßen an diese an; wie man damit umgeht, ist die Eigenverantwortung. Das Gegenteil davon sind Schuldzuweisungen, welche aber schlicht zu Handlungsunfähigkeit führen".
  •  Im Alltag tauchen immer wieder Probleme auf, die wir aber nicht als Hindernisse wahrnehmen sollten, sondern als Herausforderungen. Durch die Bewältigung von Problemen lernen wir dazu. Ergebnisse aus der Hirnforschung besagen, dass 80% unserer Fähigkeiten in Tief-Zeiten entwickelt werden.
Um Handwerkszeug für die Bewältigung zu entwickeln, sollte man sich der Ursachen von Problemen bewusst werden. Laut Frankl gibt es derer vier, die Christine Hackl mit einfachen Schlagworten festmachte:
 
  •  Zu ernst! - Wir nehmen alles zu ernst! Dadurch werden Stresshormone ausgeschüttet, was die Lebensqualität mindert. Also: Nehmen Sie Dinge wichtig, aber nicht zu ernst! Wenn es schon passiert ist, finden Sie einen Weg, die Stresshormone abzubauen. Das kann Sport sein (aus Freude, nicht aus Zwang!), Lachen oder einfach Dinge, die Ihnen Freude machen; sonst finden die Stresshormone ihren eigenen Weg, was sich oft in Magen- und Darmproblemen äußert.
  •  Zu wenig im Hier und Jetzt! 98% aller Probleme liegen in der Vergangenheit oder der Zukunft! - Man kann also nichts dagegen machen. Um Abstand von diesen Problemenzu bekommen ist es wichtig, geistige Klarheit zu erlangen; genau wie der Körper, braucht auch der Geist Reinigung:
  •  Gehen Sie jeden Tag ein paar Minuten bewusst ins Hier und Jetzt! Es gibt, um mit belastender Vergangenheit fertig zu werden, zwei Schritte: 1. Rufen Sie sich in Erinnerung, dass die Situation vorbei ist! Auch durch noch so viel Kopfzerbrechen kann man die Vergangenheit nicht ändern. Und 2: Werden Sie sich dessen bewusst, was Sie aus der Situation gelernt haben; somit schaffen sie Sinn!
  •  Für die Zukunft gilt: Denken sie an Dinge, die Sie erreichen wollen, nicht daran, was nicht passieren soll! Unser Hirn versteht keine Verneinungen ("Hoffentlich passiert xy nicht" wird als "Hoffentlich passiert xy" wahrgenommen), und durch den Fokus auf Negatives werden positive Dinge ausgeblendet.
  •  Außerdem: hören Sie auf, sich Sorgen zu machen! Sorgen verbrauchen Energie; verlassen Sie sich stattdessen darauf, dass Sie das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen bewältigen können.
  • Die falschen Fragen! Fragen Sie nicht nach dem Warum einer Sache! Die Frage ist einmal berechtigt, wenn man die Ursache eines Problems erfahren will; kann sie nicht beantwortet werden und man fragt weiter nach dem Warum, begibt man sich in eine Abwärtsspirale, die einen daran hindert, Gelegenheiten wahrzunehmen. Die richtigere Frage kann man sich mit der Abkürzung WIDEG merken: Wofür Ist Das Eine Gelegenheit?
  • Streben nach Perfektion: Was bedeutet Perfektion? Übersetzt man das Wort, bedeutet es "Vollendung". Die Vollendung des Lebens ist der Tod, Leben bedeutet ständige Entwicklung. Stehen Sie dazu, nicht perfekt zu sein und es auch nicht sein zu können! Finden Sie die Mitte zwischen "eh ois wurscht" und "perfekt sein müssen" - diese besteht darin, zum gegebenen Zeitpunkt das für sich Bestmögliche zu geben.
  •  Und zum Abschluss: Seien Sie dankbar! Der größte Feind der Dankbarkeit ist die Selbstverständlichkeit. Gesundheit, Partnerschaft, Erfolg, Familie, Freunde: Nichts davon ist selbstverständlich. Besinnen Sie sich stets darauf und nehmen Sie Gegebenes mit Dank an.

Runder Tisch zum Thema Green Care © LK Wien
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Runder Tisch zum Thema Green Care

Nach der Pause äußerten sich am runden Tisch zum Thema Green Care: Nicole Prop (Projektleiterin Green Care) Franz Windisch (Kammerpräsident LK Wien) Robert Fitzthum (Kammerdirektor LK Wien) Maria Zwinz (Schulverein Josefstadt) Ursula Köstl (Landeskompetenzzentrum für Mensch-Tier-Beziehungen, Stmk.) Bettina Haas (Franzlhof, Kindergarten am Bauernhof, OÖ) Irene Trunner (Landesbäuerin Wien).
 Vorab bot Nicole Prop einen Überblick über das Projekt Green Care, das von der LK Wien seit März 2011 als Pilotprojekt durchgeführt wird. Für alle, denen Green Care noch kein Begriff war, definierte sie diesen: Green Care will durch therapeutische, pädagogische und pflegerische Interventionen oder Interaktionen in und mit der Natur und Landwirtschaft das Wohlbefinden der Menschen steigern und verankern.
 
 Das Projekt soll bundesweit für neue und bereits bestehende Projekte eine "Klammer Green Care" bilden und damit zur Diverzifizierung der Landwirtschaft beitragen und Bäuerinnen und Bauern eine weitere Einkommensmöglichkeit durch das Anbieten sozialer Produkte bieten.
 Die Aufgaben des Projektteams bestehen darin, Produkte zu entwickeln und anzubieten, Aus- und Weiterbildung und Beratung zu betreiben, eine Zertifizierung für Green Care-Projekte zu entwickeln und eine Plattform zu schaffen, auf der sich Landwirtschaftliche Betriebe, Kooperationspartner (wie AMS, Caritas, Jugend am Werk, …), KlientInnen und Stakeholder bzw. Förderer vernetzen können.
Zielgruppen der Green Care sind Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und Burn-Out-Patienten.
 
 Green Care bereits im LFI-Bildungsprogramm
Bereits laufende Green Care-Maßnahmen sind Kindergruppen am Bauernhof, Schule am Bauernhof, tiergestützte Therapie und Pädagogik und Gartentherapie; in Entwicklung befinden sich Projekte zur Arbeitsintegration, alternativen Wohnformen und zur Gesundheitsförderung (Prävention). In den letzten elf Monaten wurde die Green Care bereits im LFI-Bildungsprogramm integriert, es wurden Gespräche mit diversen Partnern geführt, es gab bereits 18 Anfragen von Interessen, über 65 Stunden Beratung und drei Konzepte wurden erstellt.
 
 Neben dem sozialen Faktor ist es auch wichtig, dass solche Produkte eine zusätzliche Einnahmequelle für Betriebe darstellen können. Umfassende kostenlose Beratung bietet die LK Wien. (info:www.greencare-wien.at)
 
 Kammerpräsident Franz Windisch zeigt auf, welche Chancen das Projekt Green Care für die Landwirtschaft bietet. Neben der Produktion werde die Landwirtschaft verstärkt mit einem sozialen Faktor aufgeladen, der auch wichtig für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Betriebe sei. Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Durchführung solcher Maßnahmen sei, dass der "Zugang vom Herzen" komme.

Kammerdirektor Robert Fitzthum erläuterte die Rolle der LK Wien und lieferte ein Bild der Beratung. Neben einer Basisberatung und einer strategischen Beratung werde individuelle Beratung zu den oben erwähnten Produkten angeboten. Das Ziel sei es, 2013 bereits erste Projekte zu realisieren. In Anspielung an den Vortrag von Christine Hackl wies der Kammerdirektor noch auf den sinnstiftenden Aspekt hin, den solche Projekte bieten können. Im Anschluss kamen die Pioniere der Green Care in Österreich zu Wort.
 
Bettina Haas betreibt seit vier Jahren erfolgreich einen Kindergarten am eigenen Hof. Den Entschluss, diesen Schritt zu gehen, erklärte sie über ihre 15 Jahre Erfahrung als Kindergärtnerin, wo sie beobachten musste, wie sich die Kinder immer weiter von der Natur entfernen. In ihrem Arbeitsplatz war es nur schwer möglich Tiere und Natur einzubringen und sie beobachtete, wie die Entwicklung der Kinder in diesen gewöhnlichen Strukturen eher gehemmt als gefördert wird. Gleichzeitig konnte sie bei ihren eigenen Kindern beobachten, welche Entwicklungsmöglichkeiten ein landwirtschaftlicher Betrieb für Kleinkinder bietet.
 
 Für sie bietet das Konzept eines Kindergartens am Bauernhof insbesondere zwei Möglichkeiten: zum Einen wird die Landwirtschaft wieder belebt, andererseits wird den Kindern durch die Integration in der Landwirtschaft, durch den Kontakt zu Tieren, das Lernen mit Herz, Hirn und Hand wieder ermöglicht. Die prägenden Erfahrungen mit den tierischen Copädagogen schulen das Einfühlungsvermögen der Kinder, durch die Mitarbeit in der Landwirtschaft wird ein Bezug zur Herkunft und Wertigkeit der Lebensmittel hergestellt, den die Kinder auch wieder an ihre Eltern weitergeben.
 Auf die Frage, wie sie das alles unter einen Hut bringt, betonte auch Bettina Haas die Leidenschaft: "Man muss zu 200% hinter dem stehen, was man macht. Denn Tätigkeiten, aus denen man Freude ziehen kann, geben auch Kraft. Hinzu kommt die Unterstützung durch die Familie sowie ein gutes Zusammenleben, das durch viel reden und Toleranz für die Bedürfnisse der Anderen zu erreichen ist".

 Bei der Exkursion der Wiener Landfrauen "Kinderbetreuung am Hof" am 14. Juni 2012 ist auch ein Besuch am Franzlhof vorgesehen (Anmeldung bis 7. Juni, 01/5879528-11 od. lfi@lk-wien.at).
 
 
 Tiergestütztes Lerntraining und Therapie
 Ursula Köstl stellte ihr Landeskompetenzzentrum für Mensch-Tier-Beziehungen vor, wo seit 20 Jahren tiergestützte Therapie, Pädagogik und soziale Arbeit mit 100 verschiedenen Tieren angeboten wird. Für sie selbst war der Zugang zu Tieren und der Natur seit der Kindheit prägend.
 
Das Angebot des Zentrums umfasst unter anderem tiergestütztes Lerntraining, Angebote für Schulen, tiergestützte Therapie und vieles mehr. Alle Tiere sind geprüfte Therapietiere, die Maßnahmen werden von geschultem Personal durchgeführt. Die tiergestützte Arbeit mit Menschen legt den Fokus nicht auf deren Probleme, sondern stärkt ihre Stärken.
 
 "Im Umgang mit Tieren ist die Körpersprache extrem wichtig, Tiere als Spiegel der Menschen können wesentlich dazu beitragen die nonverbale Kommunikation zu verbessern. Für die Durchführung tiergestützter Maßnahmen ist allerdings geschultes Fachpersonal eine Voraussetzung", hielt Köstl fest.

 Um Kindergruppen drehten sich die Ausführungen von Maria Zwinz. "Kindergruppen liegen mit einer Gruppengröße von 14 Kindern zwischen Tagesmüttern und Kindergärten, die Kinder werden in einem familienähnlichen Umfeld betreut. Die Ausbildung zur Kindergruppenbetreuerin ist weniger umfangreich als die zur Kindergartenpädagogin und im Grunde kann damit jeder eine Kindergruppe betreiben, der genug Platz dafür hat".
 
 Auch in den Kindergruppen herrsche das Bestreben nach mehr Natur und Grünem, daher werden jetzt Räumlichkeiten gesucht, die angemietet werden können.
Informationen dazu biete die LK Wien.

Landesbäuerin Irene Trunner zeigte abschließend auf, warum das Projekt Green Care auch von den Wiener Landfrauen unterstützt wird: Einerseits bietet es durch maßgeschneiderte Projekte zusätzliche Möglichkeiten für Höfe.
Leerstehende Räume könnten genützt werden, neue Einkommensmöglichkeiten entstehen, und nicht zuletzt bietet Green Care die Gelegenheit, sich zu fragen: "Wo sind meine Qualitäten? Was kann ich hier einbringen? Dies könne wiederum dazu beitragen, "dass der eigene Alltag an Sinn gewinnt".Im Bildungsprogramm wurden bereits entsprechende Schwerpunkte gesetzt. Zudem könnten die umfassenden Möglichkeiten der Beratung und Information in der LK Wien "sicher dazu beitragen, dass sich die eine oder andere Tür öffnet", betonte Trunner abschließend.



Autor:
Claudia Doppler
07.02.2012