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100418 Exkursion Meister Folientunnel 015 © Archiv
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Folienlager – Alternative für Schadholz?

Im Gurk- und Metnitztal (Kärnten) wurde vor zwei Jahren Rundholz in Folie gepackt. Jetzt wurden die Polter geöffnet - das Holz befindet sich in gutem Zustand und wird an die Sägeindustrie verkauft.
Zwei Jahre nach dem Sturmtief "Paula" werden die Folienlager, in denen 15.000 fm Rundholz gelagert und konserviert wurden, an die Sägeindustrie verkauft.
 
Josef Ratheiser, vlg. Pirker, von der ARGE Meister St. Veit nahm dies zum Anlass, eine Besichtigung der Polter in Straßburg zu organisieren. An dieser nahmen auch Initiator Emil Eberhard, "Verpacker" Bgm. Franz Pirolt und der Obmann des Waldverbandes, Mag. Karl Kurath, teil. Vor mehr als vierzig Waldbauern wurde ein Lager geöffnet. Auch wenn zu erwarten war, dass das Rundholz in einem guten Zustand ist, waren doch alle überrascht, dass scheinbar überhaupt keine Veränderung im Folientunnel stattgefunden hatte.

Luftdichtes Paket
Bei der Folierung griff man auf ein in Deutschland patentrechtlich geschütztes Verfahren zurück. Zuerst wird ein mausdichtes Drahtnetz und darauf zwei extrastarke Siloplanen am Boden ausgelegt. Dann werden bis zu 310 fm Rundholz darauf gepoltert und mit zwei Folien abgedeckt. Durch Verschweißen der Folien entsteht ein luftdichtes, doppelt foliertes Paket. Um das Lager vor Windschäden zu schützen, wird Luft abgesaugt und ein Netz über den Polter gespannt. Die Holzmenge wird durch die Foliengröße begrenzt. Eingelagert wurde hauptsächlich Rundholz der Qualität ABC und der Stärkeklasse 2b+. Es ist kein zusätzliches Übermaß nötig. Nach ca. vier Tagen befindet sich kein Sauerstoff mehr im Lager. Außerhalb der Frostperiode wird der Sauerstoffgehalt alle zwei Wochen kontrolliert, um auf Schäden schnell reagieren zu können. Wenn ein Polter undicht wird und eine Reparatur nicht möglich ist, ist es sofort aufzulösen. Die einzelnen Lieferungen wurden mittels Fotos dokumentiert und im Raummaß vermessen. 95 Prozent des Holzerlöses wurden dem Lieferanten bezahlt. Die Endabrechnung erfolgt nach Auflösung der Polter.

100418 Exkursion Meister Folientunnel 021 © Archiv
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Was es kostet
Nachdem bewiesen war, dass die Lagerung bei entsprechend sorgfältiger Errichtung und Wartung problemlos möglich ist, wurden die Kosten betrachtet.
 
Folgende Aufwendungen wurden angegeben:
  • Materialkosten: 1400 Euro pro Paket
  • Arbeitskosten: ab 500 Euro pro Paket
  • Miete Lagerplatz: 2 Euro pro Festmeter
  • Zusätzlicher Transport: 3 bis 5 Euro pro Festmeter
  • Zinsen: 4 Euro pro Festmeter und Jahr
 
Mag. Kurath errechnete aus diesen Angaben unter Berücksichtigung von Einsparungspotenzialen Kosten für die Folienlagerung von mindestens 15 Euro pro Festmeter und gab zu bedenken, dass dies in etwa den heute möglichen Mehrerlös ausmacht. Die Kosten für Zinsen und Platzmiete könnten gesenkt werden, wenn die Waldbauern die Lagerung selbst übernehmen. Die Folienlager sind in jedem Fall von gut geschulten und eingearbeiteten Teams herzustellen.
 
Ein Folienlager macht also nur Sinn, wenn mit einem Preisanstieg von mindestens 15 Euro spekuliert wird. Zu solchen großen Preisschwankungen wird es allerdings nur bei extrem großen Windwürfen, die nicht innerhalb eines Jahres aufgearbeitet werden können, kommen.

Vorteile gegenüber einer Nasslagerung sind:
  • Eine Lagerung ist praktisch überall ohne Genehmigung möglich.
  • Bei der Nasslagerung ist man durch die wenigen genehmigten Lagerplätze beim späteren Verkauf weniger flexibel.
  • Die Infrastruktur für die Nasslagerung ist aufwendig und muss erhalten werden.
    Nasslager sind daher für die Industrie bzw. für Betriebe mit marktbestimmender Größe interessant. Die in etwa gleich hohen Lagerkosten, aber auch Qualitätsverluste werden auf die Lieferanten abgewälzt.

100418 Exkursion Meister Folientunnel 031 © Archiv
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Resümee
Die Folienlagerung ist eine funktionierende Möglichkeit, Rundholz ohne nennenswerten Qualitätsverlust bis zu fünf Jahre zu lagern. Bei "normalen" Windwurfereignissen, wie sie regelmäßig in den Sommermonaten vorkommen, ist mit keinem Preisverfall zu rechnen. Oft steigt sogar der Rundholzpreis. Bei großen Katastrophen mit einem Schadholzanfall von mehreren Millionen Festmetern verbunden mit einem Preisverfall von mehr als 15 Euro kann eine gut organisierte Folienlagerung sinnvoll sein. Besonders wenn dadurch eine Marktentlastung bzw. Beruhigung stattfindet.

Da so große Schadereignisse nur sehr selten auftreten, kann man sich kaum darauf vorbereiten. Daher waren sich Eberhard und Kurath einig, dass im Schadensfall auf keinen Fall übereilte Entscheidungen getroffen werden dürfen. Denn bei einer gut koordinierten Aufarbeitung sind auch große Rundholzmengen innerhalb eines Jahres ohne größeren Qualitäts- und Wertverlust am Markt unterzubringen und eine risikoreiche Lagerung nicht nötig.
Für alle Beteiligten war es ein Blick über den Tellerrand hinaus, bei dem eine Möglichkeit vor Augen geführt wurde, wie man zukünftig auf turbulente Marktsituationen reagieren könnte.

Überlegtes Handeln
Forstwirte aus dem Gurk- und Metnitztal, die sich nach dem Sturm "Paula" für die Folienlagerung entschieden, konnten einen ABC-Preis von mindestens 74 Euro pro Festmeter erzielen. Das waren, gegenüber den niedrigsten Angeboten der Industrie, um bis zu neun Euro Mehrertrag. Dass das Risiko großteils von der Firma Eberhard getragen wurde, die nach eigenen Angaben mit einem "blauen Auge" davonkommt, wird wohl eine Ausnahme bleiben.

Autor:
Dipl.-Ing. Martin Huber, LK Kärnten
16.05.2010