Niederösterreich »Fachartikel »

Die neue MeisterInnenausbildung qualifiziert zur "MeisterIn für Betriebs- und Haushaltsmanagement"

In NÖ startet im Kurswinter 2009/2010 der Ausbildungslehrgang zur MeisterIn für Betriebs- und Haushaltsmanagement.

Generelle Neupositionierung der MeisterInnenausbildung

Wettbewerbsfähigkeit verlangt hohe unternehmerische Kompetenz. Die Qualifizierung zum Meister/zur Meisterin ist nach wie vor die qualitativ höchste Form der beruflichen Bildung in der Land- und Forstwirtschaft. Eine Qualifizierung für eine zukünftige Betriebsführung und als Führungskraft in Dienstleistungsbetrieben hat daher oberste Priorität in der MeisterInnenausbildung zu haben. Eine zeitgemäße MeisterInnenausbildung hat sich an diese sich ändernden Anforderungen anzupassen.

Neben ihrer Funktion als Hausfrau und Mutter sind Bäuerinnen heute auch UnternehmerInnen im ländlichen Raum, die sich für die Sicherung des Familieneinkommens gleichermaßen verantwortlich fühlen wie für die Versorgung einer zunehmend gesundheitsbewusst lebenden Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln.

Sie ist nicht nur in ihren Aufgabenbereichen wie der Haushaltsführung, der Kindererziehung und im Bereich des bäuerlichen Betriebes gefordert, sondern auch als Managerin und Kommunikationsdrehscheibe innerhalb der Familie und darüber hinaus im gesamten ländlichen Raum. Das war auch die Voraussetzung, um mit der richtigen Berufsausbildung einen Schritt voraus zu sein, Die neue Ausbildung zur Meisterin für Betriebs- und Haushaltsmanagement berücksichtigt diese Anforderungen. Im Vergleich zur bisherigen MeisterInnenausbildung wurde nicht nur der Name geändert, sondern auch die Ausbildungsschwerpunkte und Ausbildungsinhalte.

Grundlage hierfür waren die Kernaussagen aus dem neu geschaffenen Leitbild zur MeisterInnenausbildung wie MeisterInnen sind qualifi zierte Führungskräfte für agrarische Erwerbskombinationen, landwirtschaftliche Haushalte und/oder hauswirtschaftliche Dienstleistungsbetriebe, um für sich und ihr Umfeld Lebensqualität zu ermöglichen. Sie sind befähigt, einkommenswirksam regionale Wertschöpfungsketten und Netzwerke zu initiieren und zu unterstützen. Ihre Kompetenzen im Management von landwirtschaftlichen Haushalten und/ oder Dienstleistungsbetrieben befähigen die MeisterInnen neue Berufsfelder im unternehmerischen, gewerblichen und sozialen Bereich zu erschließen.
Aufbauend auf diesem Leitbild wurde nach intensiven Vorarbeiten in den letzten beiden Jahren die zukünftigen Ausbildungsschwerpunkte und Ausbildungsinhalte für diese Ausbildung erarbeitet. Die MeisterInnenausbildung gibt es zukünftig in zwei Ausbildungsschwerpunkten:

▪ Landwirtschaftlicher Haushalt und Erwerbskombination
▪ Führung von Großhaushalten

Es gibt eine gemeinsame Basisausbildung und eine separate Fachausbildung, die sich eindeutig an Unternehmerkompetenzen orientiert. In jedem Ausbildungsschwerpunkt werden jedoch unterschiedliche Fachkompetenzen vermittelt. Die neu organisierte MeisterInnenausbildung soll also die MeisterkandidatInnen anregen, dass ihnen die Betriebsentwicklung ein besonderes Anliegen ist. Auch MeisterInnen in Betriebs- und Haushaltsmanagement werden sich zukünftig jenes Können aneignen, das in der Investitionsförderung und bei der Förderung der Hofübernahme geforderte Betriebskonzept selbst erstellen zu können und werden somit den Meisterbonus und die anderen Wettbewerbsvorteile und Berechtigungen einer Meisterprüfung in der Land- und Forstwirtschaft nützen können: Den Ersatz der gewerblichen Unternehmerprüfung, die Ausbildnerberechtigung für Landwirtschaft und Gewerbe, den Meisterbonus bei der Niederlassungsprämie von € 3.000, die Weitergewährung des Landeszuschusses zu den Sozialversicherungsbeiträgen für hauptberufl ich in der Landwirtschaft mitarbeitende Familienmitglieder, erhöhte Chancen auf den Erhalt von qualifi zierten Beschäftigungsmöglichkeiten mit Leitungsfunktionen etc.

Ausbildungsschwerpunkt "Landwirtschaftlicher Haushalt und Erwerbskombination"

Frau präsentiert Esskorb (c) LK NÖ © Archiv
größer
Der Ausbildungsschwerpunkt "Landwirtschaftlicher Haushalt und Erwerbskombination" ist speziell auf die Anforderungen der Bäuerinnen abgestimmt. In diesem Schwerpunkt sollen die TeilnehmerInnen befähigt werden, Produkte oder Betriebszweige aus dem Haushalt (zB Urlaub am Bauernhof, Buffetservice,…) zu entwickeln, zu managen, und zu vermarkten. Der Unterricht ist im Fachteil auf folgende Lernfelder fokussiert: Arbeitsorganisation und Resourcenmanagement, Lebensmittelkompetenz und Entwicklung und Vermarktung von Produkten und/oder Dienstleistungen. Die TeilnehmerInnen haben nicht nur ein Betriebskonzept für Produkte und Dienstleistungen zu erstellen, sondern werden schwerpunktmäßig auch mit der Kosten- und Preiskalkulation und Einkommensplanung befasst. Weitere Inhalte sind u.a. das Qualitätsmanagement, die Arbeitsorganisation, moderne Lebensmitteltechnologien und sensorische Bewertungen. Der Unterricht orientiert sich an beruflichen, gesellschaftlichen und individuellen Handlungszusammenhängen. Dadurch wird die Eigenverantwortung und die Selbständigkeit gefördert. Denn im Leben muss man ständig neues Lernen. Dabei ist nicht nur wichtig zu wissen, "Was" man lernen muss, sondern auch "Wie". Die Auszubildenden durchlaufen die Unterrichtsschritte der Planung, über die Ausführung bis hin zur Kontrolle und Auswertung. Unterrichtet wird nicht wie bisher in einzelnen Fächern, sondern die Fachthemen werden mithilfe von fächerübergreifenden Aufgabenstellungen behandelt. Die Unterrichtsform entspricht modernen erwachsenenpädagogischen Prinzipien. Ziel der Ausbildung ist es, neben der Vermittlung von Fachkompetenzen auch die Sozial- und Handlungskompetenzen zu stärken.

Ausbildungsschwerpunkt "Führung von Großhaushalten

Der Ausbildungsschwerpunkt "Führung von Großhaushalten" richtet sich vorwiegend an jene, die zukünftig ihre Dienstleistung in einem Großhaushalt anbieten, in Dienstleistungshaushalten (Seniorenheime, Bildungshäuser etc) qualifizierte Jobs ausüben wollen und die sich zutrauen, diese auch verantwortungsvoll zu führen. In diesem Schwerpunkt konzentriert sich der Unterricht im Fachteil auf einzelne Lernfelder wie Verpflegung und Betreuung, Lebens- und Funktionsräume sowie Angewandtes Betriebs- und Qualitätsmanagement. Für den Ausbildungsschwerpunkt "Führung von Großhaushalten" sollten sich nicht nur die Absolventinnen von Fachschulen der Ländlichen Hauswirtschaft und FacharbeiterInnen der Ländlichen Hauswirtschaft angesprochen fühlen, sondern auch alle InteressentInnen mit dem Lehrabschluß Betriebsdienstleistung, aber auch alle anderen mitarbeitenden Angehörigen und BetriebsleiterInnen landwirtschaftlicher Betriebe mit mind. siebenjähriger Praxis in Ländlichen Haushalten bzw. Großhaushalten.

Informationen zum NÖ Ausbildungsmodell

▪ Start der Bewerbungsoffensive mit Infoabenden im November 2009 an Fachschulen der Ländlichen Hauswirtschaft
▪ Modulares Kursangebot mit 170 UE für die Basisausbildung und 190 UE für die Fachausbildung.
▪ Start mit den Ausbildungsmodulen der für beide Ausbildungsschwerpunkte gemeinsamen Basisausbildung ab Jänner 2010 (die Orte werden in Abhängigkeit der Herkunft der InteressentInnen festgelegt).
▪ Organisation der Basisausbildung mit 5 Einzelmodulen in der Dauer von max. einer Kurswoche. Die Basisausbildung umfasst die Module:

"Buchführung - Unternehmerpersönlichkeit", "Betriebsentwicklung - Grundlagen", "Ausbilden - Projekt-und Qualitätsmanagement", "Agrarrecht- Agrarpolitik - Marketing und "Betriebskonzept".
▪ Kursanmeldungen ab sofort an die NÖ Land- und forstwirtschaftliche Lehrlings- und Fachausbildungsstelle, Wiener Straße 64, 3100 St. Pölten; e-Mail: lfa@lk-noe.at
▪ Info-Folder können ebenfalls ab sofort angefordert werden

Autor:
Arge Meister
23.10.2009