Schiffmann: "Bessere Unterstützung für pflegende Angehörige"
Bäuerinnen tragen die Hauptlast der Pflege und Betreuung im familiären Umfeld
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"Rund drei Viertel der pflegebedürftigen Personen werden daheim von Familienangehörigen betreut und gepflegt. Dies zeigt den hohen Stellenwert und die Bedeutung der häuslichen Pflege, die eine unverzichtbare Ergänzung zur Betreuung und Pflege in öffentlichen und privaten Einrichtungen darstellt. Gerade im bäuerlichen Bereich sorgen vielfach die Frauen für die Pflege und Betreuung ihrer Familienmitglieder. Die pflegenden Angehörigen brauchen Unterstützung und optimale gesetzliche Rahmenbedingungen, damit sie diese bedeutende Aufgabe neben den Anforderungen in Haushalt und Betrieb bewältigen können. Gleichzeitig müssen wir die Bewusstseinsbildung über die Verwendung von Pflegegeld künftig verstärken und zum Zukauf von notwendigen Leistungen motivieren. In den Pflegestufen fünf, sechs und sieben ist eine Anhebung und Valorisierung des Pflegegeldes notwendig. Zudem ist sicherzustellen, dass das Pflegegeld auch künftig eine Geldleistung bleibt und keinesfalls zur Sachleistung umgeleitet wird", fordert Theresia Schiffmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in der Landwirtschaftkammer Österreich, in einer Aussendung zum Thema Pflege.
Die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen will neben der verbesserten Unterstützung für pflegende Angehörige vor allem vermeiden, dass künftig die häusliche Pflege durch Familienangehörige zu Gunsten der Pflege durch institutionelle Einrichtungen benachteiligt wird. Gerade in ländlichen Gebieten seien solche Einrichtungen nur eingeschränkt verfügbar. Ein großer Anpassungsbedarf bestehe auch im Hinblick auf die Valorisierung und Pflegegeldeinstufung von Demenzkranken. Vor allem die verschiedenen Formen der Demenz und der Alzheimerkrankheit müssten bei der Einstufung noch mehr zum Tragen kommen. Es sollte hier beispielsweise neben den Pflegeaufwand auch die ständige Anwesenheit einer Aufsichtsperson berücksichtigt werden. Da durch rechtzeitige Betreuung und Unterstützung viele Probleme wie Überforderung und Burn-Out der Pflegenden zu verhindern wäre, sollte man vor allem den psychischen Problemen der pflegenden Angehörigen mehr Beachtung schenken und sie auch entsprechend unterstützen. Darüber hinaus wären künftig auch flexiblere Strukturen in der Zusammenarbeit von ambulanter Pflege und stationärer Pflege notwendig, um eben die zunehmende Belastung und Überforderung der pflegenden Angehörigen, aber auch die Lebensqualität der pflegebedürftigen Menschen zu verbessern.
"Gerade im bäuerlichen Bereich wird erst dann Hilfe in Anspruch genommen, wenn die pflegende Person sehr stark körperlich und seelisch belastet ist. Hier müssen wir ansetzen und die Vorsorge verbessern bzw. das Bewusstsein, dass man sich rechtzeitig professionelle Hilfe holt. Eine wichtige Initiative ist hier das bundesweite Projekt "Lebensqualität am Bauernhof, wo die Prävention im Vordergrund steht und Betroffene bei allen Problemen im familiären Bereich Rat und Unterstützung erhalten. Wie notwendig eine verbesserte Unterstützung der Angehörigen ist, zeigt auch eine Evaluierung der Anrufe beim bäuerlichen "Sorgentelefon", wo deutlich zum Ausdruck kommt, dass gerade Pflegende durch die ständige Belastung ein Burn Out-Syndrom haben bzw. kurz davor stehen", stellte Schiffmann abschließend fest.
09.06.2008



